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Kapitel 1 - Edoras


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 Betreff des Beitrags: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:34 
4ter August im Jahre 4 des Vierten Zeitalters

~Früher Nachmittag~



Anwesende Personen:
Arandil + Rhonin - Szene beendet
Morwen + Iorlas - Vom Heerlager kommend

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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:35 
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Menschen

Iorlas verkniff sich ein weiteres Kommentar, wenn auch ihm eines bereits auf der Zunge lag, kaum hatte Morwen bestätigt, dass sie es nicht so gemeint hatte, wie es sich angehört und wie er es ausgelegt hatte. Demnach hatte ihn also sein Menschenverstand doch nicht getäuscht und er hatte mit seiner Vermutung richtig gelegen. Aber manche Vorlagen mussten von ihm einfach genutzt werden, egal ob es in diesem Moment passend erschien oder nicht. So war er und nicht jeder kam mit dieser Art zurecht. Wenn es sein musste, so konnte auch er sich natürlich am Riemen reißen und seine Zunge im Zaum halten, was er ja in diesem Augenblick bewies, indem er schwieg, anstatt seinem Mundwerk freien Lauf zu lassen.

Iorlas war nicht das erste Mal in Edoras, was sich auch schwer verheimlichen ließ, wenn er doch von dem einen oder anderen Bewohner begrüßt wurde und ging somit sicheren Schrittes durch die Stadt. Edoras war anders als Osgiliath, sehr viel anders und vielleicht war das auch der Grund, warum er sich stets freute, wenn er alte Freunde hier besuchte. Die Häuser waren einfach, im Vergleich zu den Bauten, welche sich in Osgiliath befanden, aber sie wirkten dadurch nicht weniger freundlich und einladend. Es war auch nicht das Haus oder die Hütte, die letzten Endes entschied, sondern es waren seine Bewohner und ihre Herzlichkeit, die Wärme versprachen. Hier hatte man das Gefühl von Freiheit, so brauchte man sich nur ein wenig drehen und konnte auf die weiten Ebenen Rohans blicken. Nichts das einem die Sicht versperrte, wie es passierte, wenn man inmitten Osgiliath stand. Doch all der schönen Eigenschaften die Edoras zu bieten hatte, würde sein Herz immer der Stadt seiner Geburt gehören und nichts könnte daran jemals etwas ändern. Auch wenn er sich hier ein klein wenig heimisch fühlte, so stach er doch stets erneut aus der Masse der Bewohner Rohans hervor und das lag nicht alleine an den schwarzen Locken, die sein Haupt zierten, sondern wohl maßgeblich an der Farbe seiner Kleidung. Er bevorzugte schon seit er sich erinnern konnte, die Farbe schwarz für seine Kleidung. Vielleicht war auch das der Grund, weswegen er in das Heer Gondors eingetreten war. Aber es lag zu lange zurück, um eine eindeutige Aussage treffen zu können. Doch diese Vorliebe hatte sich bis heute gehalten und so waren es auch heute aus dunklem Leder gefertigte Hosen, in denen seine Beine steckten, während sein Oberkörper von einem schwarzen Leinenhemd bedeckt war. Um seine Taille schlang sich der schwarze Gürtel, an welchem sein Dolch befestigt war und ohne den er nirgendwo hinging. Er trug ihn stets bei sich und wenn er ihn nicht trug, dann befand er sich in unmittelbarer Nähe zu ihm. Ein einziger Griff genügte, um ihn in seine Hand zu bringen, sollte es von Nöten sein.

„Es scheint, als hättet ihr noch nicht besonders viele Zwerge in eurem Leben gesehen“, meinte er mit einem Schmunzeln an Morwen gewandt, als er beobachtet hatte, mit welchem Interesse sie die Vertreter dieses Volkes angesehen hatte. Er müsste lügen, wenn ihre Neugierde ihn nicht ein klein wenig amüsieren würde. Aber es freute ihn auf der anderen Seite auch ein wenig, jemanden zu beobachten, den solche Dinge noch zu überraschen wussten und es machte ihn auch ein wenig neugierig. Wie weit musste man wohl entfernt leben, um noch nie wirklich Zwergen begegnet zu sein? Er hatte davon schon so einige gesehen, so waren es doch die Zwerge gewesen, welche das neue Tor geschmiedeten hatten, welches nun Minas Tirith zierte. Sie waren sogar selbst gekommen, um es zu befestigen. Es waren muntere Zeiten in der Taverne der Stadt gewesen, solange die Zwerge in Minas Tirith gewesen waren, so gab es doch kaum ein Volk, welches besser zu feiern gewusst hatte, als das Volk der Zwerge. Sie hatten zwar die Wein- und Biervorräte der Stadt mächtig zu Neige gehen lassen, aber den Spaß war es allemal wert gewesen.

„Es sind jedenfalls mehr, als von Lorien aufgebrochen sind“, antwortete Iorlas, auch wenn das keine konkrete Angabe war. „Es wäre hier nicht einmal so voll, wenn nicht eine Gesandtschaft von Dol Amroth sich den heutigen Tag für ihre Ankunft hier in Edoras ausgesucht hätte, um über neue Verträge zu sprechen.“ Iorlas wich einer Bäuerin aus, welche einen schweren Korb an ihrer Seite trug, vollgepackt mit Kartoffeln. Iorlas fühlte sich in diesem Moment hin und her gerissen, denn eigentlich wollte er der Frau helfen und für sie den schweren Korb tragen, aber er konnte auch schlecht Morwen einfach so stehen lassen, noch konnte er von ihr verlangen, ihn zu begleiten. Stattdessen rief er einen jungen Burschen zu sich heran und wies ihn an, der alten Bäuerin zu helfen. Dieser sah ihn zwar erst ein wenig verdutzt an, beugte sich dann aber der Aufforderung und half der alten Bäuerin, welche sich mit einem Lächeln bei Iorlas bedankte.
„Sogar Elfhelm, der Cousin Eomers, war der Meinung gewesen, ausgerechnet an diesem Tag seinem Cousin einen Besuch abstatten zu müssen“, seufzte Iorlas, denn so schien es, als hätten sich alle auf diesen einen Tag geeinigt, um Edoras aufzusuchen. Nicht wissend, dass es belebter war wie nie zuvor.

Er wollte gerade noch etwas hinzufügen, als sich Morwens Finger zwischen der Schnürung seines Hemdes hindurch gegen seine Brust bohrte. „Nun ihr wolltet doch Antworten oder etwa nicht?“, sagte er mit ruhiger Stimme und griff nach ihrer Hand, um den Druck ihres Fingers ein wenig zu mindern, wenn auch es keinesfalls schmerzhaft war. „Und dass es einfach sein würde, habe ich nie behauptet.“ Seine Finger lagen noch immer um ihre Hand, als er einen kleinen Schritt zurücktrat und in Richtung des Meduselds blickte. „Aragorn, ich meine König Elessar und ich, wir – Nun sagen wir, dass es eine spezielle Verbindung zwischen uns gibt“, erklärte Iorlas mit einem leisen Seufzen, denn so war es eigentlich nicht von ihm geplant gewesen. „Nachdem der Krieg gewonnen war, suchte ich ihn auf, so wollte ich ihn doch darum bitten, dass man Osgiliath wieder aufbauen möge. Ich erklärte ihm, wie wichtig diese Stadt für Gondor war und wie viele Herzen an ihr hingen und dass ich bereit war, sie notfalls alleine mit meinen Händen wieder aufzubauen. Er war von meiner Hingabe beeindruckt und gab den Befehl, alles notwendige bereit zu stellen, damit Osgiliath wieder aufgebaut werden konnte.“ Erst jetzt bemerkte Iorlas, dass er Morwens Hand noch immer hielt und ließ sie nun mit einem entschuldigenden Lächeln los. Er war einfach zu sehr in Gedanken versunken gewesen, als dass es ihm bewusst gewesen wäre. „Ich hätte mich damit zufrieden geben können, so war es doch mehr, als ich mir erhofft hatte“, erzählte Iorlas weiter. „Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dass ich nicht einfach nur eine Stadt wiederaufbauen wollte, sondern ich wollte sie aufbauen, so wie sie vor vielen Jahren den Anduin überspannt hat. In den Zeiten, als noch die Kuppel der Sterne das Zentrum der Stadt bildete. Eine Zeit, weit vor meiner Geburt.“ Iorlas machte eine kleine Pause und lenkte seinen Blick vom Meduseld wieder zu Morwen. „Also bat ich ihn um Zugang zu der großen Bibliothek, denn dort würde ich und da war ich mir sicher, genügend Material finden, um die Stadt so wieder aufbauen zu können. Er gewährte mir den Zugang und somit verbrachte ich viel Zeit in Minas Tirith, wenn ich nicht gerade mit dem Wiederaufbau Osgiliaths beschäftigt war. Wir begegneten uns oft und mit der Zeit entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns. Er hatte stets meinen Einsatz beobachtet und den Fortschritt in Osgiliath verfolgt und letzten Herbst ernannte er mich zum Verwalter von Osgiliath.“ So, nun war es also raus, dass er kein einfacher Soldat im Heer Gondors war, so wie er zu Anfang den Eindruck gemacht hatte, sondern dass er eine gewisse Position inne hatte. Es mochte ein Titel sein, doch für Iorlas hatte sich deswegen nichts geändert, noch war es ihm jemals in den Sinn gekommen, einen solchen besitzen zu wollen. Er hatte lediglich seine Geburtsstadt wieder aufbauen und ihr zu ihrem alten Glanz verhelfen wollen. Etwas, das jeder getan hätte, der seine Heimat liebte.

„Ich kann nicht garantieren, dass man uns zu ihm lässt“, sprach Iorlas und sah Morwen entschuldigend an, sollte er ihr damit jetzt ein paar Hoffnungen zerstört haben. „Aber ich denke, dass dieser Moment geeigneter ist, als andere. Ich kann es euch nicht mit Gewissheit sagen, so ist es nicht mehr als eine Vorahnung und ich hoffe, dies reicht euch als Beweis.“ Sofern sie jetzt überhaupt noch etwas mit ihm zu tun haben wollte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:35 
~ Morwen ~

Die junge Waldläuferin war vollauf damit beschäftigt sich die ihr fremde Stadt genau anzusehen. Offenbar war das auch ihrem Begleiter nicht entgangen, denn dieser riss sie mit seiner Frage aus ihrer Faszination. Vielleicht wäre es anderen unangenehm gewesen wenn man sie dabei erwischte, derart leicht ins Staunen zu geraten, Morwen jedoch versuchte gar nicht erst ihre Neugierde zu verbergen. Gut, sie starrte hin und wieder ein wenig unverhohlen und stand anderen im Weg, weil etwas ihre Aufmerksamkeit in ihren Bann gezogen hatte, aber das war nichts für das sie sich geschämt hätte. Im Grunde gab es doch nichts schlimmeres als blinden Auges durch eine Welt zu laufen, die so viele kleine Wunder zu bieten hatte. Außerdem war es schon aus rein praktischen Gründen immer von Vorteil sich mit seiner Umgebung vertraut zu machen. In diesem Moment war ihr Umherblicken jedoch nicht der sonstigen Aufmerksamkeit geschuldet die sie normalerweise an den Tag legte. Seltsamerweise fühlte sie sich hier in Edoras ziemlich sicher. Eigentlich hätte man gerade bei dem Trubel der herrschte Sorge haben können, aber da Morwen sich normalerweise nicht mit Taschendieben oder ähnlichem herum schlagen musste, verschwendete sie an diesen Umstand keinen Gedanken. Was sollte hier schon passieren? Vor der Stadt lagerten Krieger aus aller Herren Länder, es war hellichter Tag und eine abwartende, aber nicht wirklich angespannte Stimmung lag in der Luft. Tatsächlich war es eigentlich erstaunlich dass es bei so unterschiedlichen Wesen die hier versammelt waren nicht zu Streitereien kam. Davon konnte Morwen aber zumindest im Moment wirklich nichts entdecken. Vielleicht weil alle wussten, dass es wichtigere Dinge zu ergründen gab, als uralte Abneigungen wieder aufzuwärmen. Auf Iorlas Frage hin wandte sie sich wieder ihm zu, denn obwohl sie ihm bisher brav gefolgt war, hatte sie es doch geschafft ihn zu ignorieren, beschäftigt wie sie war, möglichst alles mitzubekommen was vor sich ging. Sie schüttelte den Kopf und antwortete: "Ich habe sie manchmal auf meinen Reisen durch die Ered Luin getroffen. Aber ihr wisst ja wie Zwerge sind... mit Fremden wechseln sie in der Regel kein Wort zu viel. Im Grunde sind sie noch verschlossener als die Elben, die sich zwar nie zu einer wirklich hilfreichen Antwort herab lassen, aber immerhin zu einer Antwort." Sie legte die Stirn in Falten und überlegte, ob ihre Worte wohl ein wenig zu schroff geklungen haben mochten. Es war nicht so, dass sie etwas gegen Zwerge oder Elben hatte. Das eine Volk kannte sie kaum und das andere... war mit dem der Menschen einfach nicht zu vergleichen. "Vielleicht habe ich ja hier die Gelegenheit ein Exemplar zu finden, dass weniger verstockt ist als seine Verwandtschaft." Sie grinste und machte einen überaschend fröhlichen Eindruck. Offensichtlich gefiel ihr der kleine Ausflug nach Edoras und sie schien sich darauf zu freuen, so viel wie möglich zu erleben.

Wie sie erwartet hatte, wusste auch Iorlas nicht genau zu sagen, wer alles angereist war. Aber er wusste es weitaus genauer als sie selbst. Seine Aufzählung brachte ihm einen lauernden Blick von der Seite ein. Offenbar war er ja doch ziemlich gut informiert, obwohl er ihr vorhin noch hatte erzählen wollen er wisse nicht mehr als sie selbst. Nun, er wusste eine ganze Menge mehr und Morwen war mehr als bereit, ihm jede Kleinigkeit aus der Nase zu ziehen, wenn es denn sein musste. Ihr Vorhaben wurde für den Moment jedoch von einer alten Frau mit einem schweren Korb vereiltet. Um ehrlich zu sein, hatte sie es nicht einmal bemerkt, Iorlas jedoch ließ es sich nicht nehmen, ihr zu helfen, damit sie sich nicht weiter abmühen musste. Ein bisschen machte er den Eindruck, als hätte er am liebsten selbst den Korb für sie geschleppt und Morwen fragte sich, ob er stets so hilfsbereit war wie jetzt. Sie beobachtete die Szene mit einem Lächeln. Natürlich sagte sie ihm das nicht, aber sein Verhalten ließ ihn in ihrer Achtung durchaus steigen. Es schmälerte vielleicht ein ganz klein wenig das Angebot seinen Schlafplatz zu übernehmen, was aber nicht seine Schuld war, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass das Gefühl etwas Besonderes zu sein im sanften Sommerwind davon schwebte. Dieser kleine Rückschlag machte ihr jedoch weitaus weniger zu schaffen, als man bei einer Frau, denen ja oft eine gewisse Eitelkeit nachgesagt wurde, hätte vermuten können. Sekundenlang fühlte sie sich ein wenig schlecht, weil sie selbst nicht so aufmerksam gewesen war und weil es ihr um ehrlich zu sein wohl auch nicht so schnell in den Sinn gekommen wäre, mit anzufassen. Sie entschuldigte sich selbst damit, dass sie den Umgang mit anderen Menschen nur sporadisch gewöhnt war und viel zu sehr abgelenkt von dem bunten Treiben um sie herum.

Wieder allein, sofern man in Edoras derzeit überhaupt allein sein konnte, wurde ihr Gespräch wieder ernsthafter und Morwen blickte mehr als überrascht zu dem Mann hinauf, von dem sie eben noch gedacht hatte, er wäre ein einfacher Soldat. Nun, daran hatte sie ja im Grunde selbst schon gezweifelt, denn erst ihr Zweifel hatte ihn dazu genötigt mehr über seine Herkunft zu verraten. Allerdings hatte sie wirklich nicht damit gerechnet eine derartige Geschichte zu hören zu bekommen. In einer anderen Situation, bei einem anderen Mann hätte sie ihn vielleicht ausgelacht und geglaubt, er wolle sich nur wichtig machen. Doch in der Art wie er vom Aufbau seiner Heimatstadt und von seinen Bemühungen berichtete glaubte sie echtes Herzblut heraus zu hören. "Das waren ziemlich viele Antworten." murmelte sie, bezogen auf seinen ersten Satz und zog die Augenbrauen hoch, als müsse sie über das Gehörte erst nachdenken und es verdauen. Tatsächlich wusste sie nicht so recht, wie sie damit umgehen sollte. Im Grunde änderte es ja nichts – nur eben die Sicht auf ihn und das "Verhältnis" zwischen ihnen. Also eigentlich alles. Sie zweifelte nicht daran, dass man ihn einlassen würde, aber nun trat genau das ein, was sie nicht gewollt hatte: sie wäre das nutzlose Anhängsel, das auf seinen Gutwillen angewiesen war. Das mochte sachlich betrachtet ein wenig übertrieben sein, für Morwen fühlte es sich aber genau so an. Erneut setzte sie diese beleidigte Mine auf und strafte ihn eine Zeit lang mit Schweigen. In ihre Verstimmtheit mischte sich jedoch noch etwas ganz anderes, das sie wahrscheinlich nicht offen zugegeben hätte: sie hatte einfach Angst. Der Gedanke, Aragorn gegenüber zu treten und womöglich etwas falsches zu sagen oder zu tun machte sie nervös. Was, wenn sie ohne es zu wissen irgendwelche unansgesprochenen Gesetze der Höflichkeit verletzte? Normalerweise gab sie nicht viel auf die Meinung anderer, aber Aragorn in Verlegenheit zu bringen, weil sie sich falsch verhielt hätte sie sich nie verziehen. In ihren Augen würde ihr Fehlverhalten auf ihn zurückfallen, waren sie doch vom selben Volk. Unschlüssig kaute sie auf ihrer Unterlippe herum. Sie hatte nicht einmal versucht ihre Hand zu befreien, so verblüfft war sie von seinen Ausführungen, doch nun nutzt sie die Tatsache, dass er sie losgelassen hatte und bohrte ihren Finger erneut in seine Brust, zog ihn nach dem Piekser jedoch gleich wieder zurück, bevor er auf die Idee kommen konnte, sich zu rächen.
"DAS hättet Ihr mir auch wirklich vorher sagen können." Eine Forderung, die wahrscheinlich gar nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Hätte er sich mit dieser Geschichte vorgestellt, hätte sie ihn ganz sicher für einen Aufschneider gehalten und schleunigst das Weite gesucht. Wenn sie wirklich überhaupt ernstlich verärgert war, hielt diese Empfindung nicht lange vor. Kaum hatte sie ihrem Ärger Luft gemacht, wurde schnell klar, dass sie im Grunde eher eingeschüchtert war. "Nehmt Ihr mich trotzdem noch mit?" kam es ein wenig kleinlaut. Offenbar siegte ihre Neugierde und der Wunsch nicht völlig verloren und ziellos durch Edoras zu irren über die vermeintliche Kränkung.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:35 
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Menschen

Der Blick mit dem Iorlas Morwen ansah, konnte man wohl durchaus aus einer Mischung aus Entschuldigung und Frage bezeichnen. „Ja ich hätte es dir vorher sagen können“, sagte Iorlas mit einem leisen Lachen. „Aber sei ehrlich – Hättest du dich dann weiter mit mir unterhalten oder hättest du dann nicht viel lieber das Heil in der Flucht gesucht?“ Nun war sein Blick aufmerksamer geworden und doch lag noch genug Schalk darin. Eigentlich war es in der Tat Absicht gewesen, dass er nicht von Anfang an gesagt hatte, wer oder besser gesagt was er war, aber er hatte seine guten Grunde für dieses Handeln gehabt. Es war ein Amt, eine Verpflichtung und ließ ihn als wichtiger erscheinen, als was er sich fühlte. In seinen Augen verdiente er eine solche Auszeichnung nicht, so hatte er doch nichts anderes getan, als jeder getan hätte, dem etwas am Herzen lag. Ja, mit dem Amt kamen auch gewisse Vorzüge, das ließ sich nicht leugnen. Besuche des Königs waren ihm schneller gestattet, als jedem anderen. Seine Bitten wurden schneller erfüllt, als manch andere und nicht selten nutzte er diesen Vorteil, um nicht seine Bitten vor zu tragen, sondern die Bitten der Leute aus Osgiliath. Aber er fühlte sich ihnen verpflichtet und er tat es gerne. Wenn man die Möglichkeit hatte Menschen zu helfen, denen das Schicksal nicht so wohl gesonnen war, dann war es einfach die Pflicht diese Möglichkeiten zu nutzen.

„Außerdem, welchen Unterschied hätte es gemacht? Es ist ein Titel, ein Amt und nichts, was einen Menschen auszeichnet“, sprach Iorlas weiter. „Wenn du es mir nicht an der Nasenspitze ansehen kannst, wieso also sollte ich es dir unter deine reiben? Sehe ich aus, als ob ich so etwas nötig hätte?“ Auf seine Lippen legte sich ein Schmunzeln und vielleicht nahm er sich auch gerade selbst nicht so wirklich ernst. Aber es wäre wirklich zu schade, würde sie sich von einem Titel eingeschüchtert fühlen. Er war noch immer der gleiche Mann, den sie im Heerlager getroffen hatte und das wollte er ihr wohl damit zeigen. Er mochte vielleicht in Gondor der Verwalter oder Stadthalter von Osgiliath sein, doch hier war er einfach nur ein Manne Gondors. Ein Soldat, der in der Schlacht auf den Pelennorfelder gekämpft hat und der versucht hatte die Stadt Osgiliath vor den Truppen der Orks zu verteidigen.

„Denkst du wirklich, ich würde jemanden, dem ich vor gar nicht langer Zeit mein Zelt als Nachtlager angeboten habe, jetzt davon jagen, nur weil sie weiß, wer ich in Gondor bin?“, lachte Iorlas und schüttelte den Kopf. „Ich war bereits Verwalter von Osgiliath, als ich dich aufgefordert habe mir zu folgen. Daher sind deine Zweifel für mich nicht nachvollziehbar.“ Nein, das machte keinen Sinn. Wieso sollte er sie auf einmal nicht mehr mitnehmen sollen, nur weil sie wusste, wer er war? Wenn es umgedreht gewesen wäre, dann würde es vielleicht einen Sinn ergeben, aber doch nicht so. „Wenn du mich also weiterhin begleiten willst, dann sollte dieser Absicht nichts im Weg stehen. Außer vielleicht ein paar Wachen, doch dieses Problem steht uns erst noch bevor.“ Nein, er war sich wirklich nicht sicher, ob man ihn in die Goldene Halle lassen würde, denn letzten Endes war es die Entscheidung der Könige und nicht die eines einzelnen Königs. Aber noch waren es ein paar Fuß bis zum Meduseld und den der darauf stehenden Goldenen Halle. In dieser Zeit konnte noch so einiges passieren und noch so mancher Plan geboren werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:36 
~ Morwen ~

Es war nicht so, als hätte Morwen die Beweggründe ihres Gegenübers nicht verstanden. Sie konnte sogar sehr gut nachvollziehen, warum er nicht gleich mit der Tür ins Haus fiel und seine Vermutung sie hätte ihn einfach stehen lassen, wenn er mit einer solchen Geschichte aufgewartet hätte, war alles andere als falsch. Wahrscheinlich hätte sie mit den Augen gerollt, ihm erklärt, sie selbst sei eine lang verschollen geglaubte Prinzessin eines noch nicht entdeckten Königreiches und wäre einfach weitergegangen. Den Titel den er inne hatte war aber gar nicht ihr eigentliches Problem. Viel mehr kam sie sie sich ein wenig klein und unbedeutend vor, gerade im Angesicht der Tatsache dass sie, für den Fall dass man die Beiden einließ, wohl das kleinste Rad im Getriebe wäre. Die jenigen, die jetzt schon in Meduseld beratschlagten hatten während des Ringkrieges unglaubliches geleistet. Selbst für jemanden wie Morwen, der eigentlich eine recht hohe Meinung von sich selbst hatte, wirkte ein Zusammentreffen mit solchen Personen einschüchternd. In Iorlas hatte sie bisher jemanden gesehen, der auf einer Stufe mit ihr stand, wenn man es so ausdrücken wollte. Nun breitete er einen ganzen Katalog von Verdiensten und Titeln vor ihr aus und alles was die junge Frau beizutragen hatte, war das Töten von Orks und Trollen. Natürlich war dem nicht ganz so. Die Waldläufer des Nordens hatten schon immer einen großen Teil zur Sicherheit und zum Schutze Mittelerdes beigetragen. Allerdings war ihnen stets die undankbare Aufgabe zuteil geworden dies im Verborgenen zu tun. Kaum jemand wusste um ihre Verdienste und so war es kein Wunder, dass ihre Namen nicht in jedermanns Mund waren. Das schmälerte eigentlich nicht die eigene Leistung, ein wenig wurmte es Morwen aber trotzdem. Sie hatte das Gefühl etwas besonderes zu sein, selbst dann wie die Menschen nicht immer freundlich auf sie reagierten irgendwie doch lieb gewonnen und musste nun feststellen, dass sie hier in Edoras kaum von Wichtigkeit war.

Mit einer abwinkenden Handbewegung gab sie sich Iorlas Ausführungen geschlagen. Natürlich hatte er recht und sie versuchte gar nicht erst diesen Umstand zu leugnen. Im ersten Moment wollte sie ihm erklären, warum sie sich bei der Vorstellung in Gesellschaft des Stadthalters von Osgiliath den König aufzusuchen unwohl fühlte, verzichtete dann jedoch darauf. Es war lächerlich und darüber hinaus etwas, was sie mit sich selbst ausmachen musste. Ihr Stolz stand ihr ein wenig im Weg, das war alles. Sie hatte kein Recht, beleidigt zu sein, oder ihm irgendwelche Vorwürfe zu machen. Auch, wenn er sie ganz schön vorgeführt hatte. Wobei nicht einmal das wirklich zutraf. Er war nicht plötzlich ein anderer Mensch geworden. Von der Tatsache einmal abgesehen, dass er ihr Zugang zu mehr Informationen beschaffen konnte und somit einfach nützlich war, mochte sie den jungen Mann. Er hatte eine angenehme Art, teilte ihren Humor und war ein interessanter, aber gleichzeitig unkomplizierter Gesprächspartner. Ein wenig verloren, wie sie sich in Edoras fühlte, wollte sie darauf ganz sicher nicht verzichten. "Vielleicht willst du mich ja nicht mehr um dich haben, jetzt wo ich dein schmutziges, kleines Geheimnis kenne. Ich könnte dich bei der nächsten Frau verraten, der du dein Nachtlager anbietest." erklärte sie und setzte ihren Weg fort, damit er ihren fehlgeschlagenen Versuch ernst zu bleiben nicht ganz so deutlich sehen konnte. Ganz offensichtlich hatte sie sich dazu entschieden, ihn weiterhin so zu behandeln wie sie es zuvor auch getan hatte. Es fiel ihr nicht sonderlich schwer, denn irgendwie war die Position des Stadthalters von Osgiliath doch eine recht abstrakte Vorstellung für sie. Da er bereits dazu übergegangen war auf Höflichkeitsfloskeln zu verzichten, sah sie keinen Grund, es anders zu halten. Vielleicht war das bei seinem Stand nicht wirklich angebracht, aber wie er schon selbst gesagt hatte; er war ja kein anderer Mensch geworden. Eine Sache beschäftigte sie dennoch, aber sie wusste nicht recht, wie sie es ausdrücken sollte. Nur wenige Schritte weit gekommen, blieb sie erneut stehen, diesmal jedoch mit einem sehr ernsten und gleichzeitig sanften Gesichtsausdruck. Sie standen inzwischen an einem Punkt, von dem aus man Edoras bereits überblicken konnte. Sie fragte sich, was aus all diesen Menschen geworden wäre, wenn nicht Leute wie Iorlas gewesen wären, die all ihre Kraft aufbrachten, um Zerstörtes wieder aufzubauen. Sie selbst hatte mit ihren eigenen Händen noch nie wirklich etwas errichtet, geschweige denn anderen dabei geholfen, es zu tun.
"Nein, ein Titel macht einen Menschen nicht aus." sagte sie, seine Worte aufgreifend und heftete ihren Blick auf sein Gesicht. "Aber die Art und Weise wie du deinen Titel erhalten hast zeichnet dich aus." Ihr Satz schien unvollendet in der Luft zu hängen. Es war lange nicht alles, was sie hatte sagen wollen. Sie war beeindruckt von seiner Tatkraft und der Liebe zu seiner Heimat und hielt große Stücke auf das, was er getan hatte. Bei dem Versuch dieses Empfinden in Worte zu packen kam sie sich jedoch reichlich dumm vor. Es hätte zu sehr geklungen, als lobe man ein Kind dafür, dass es seinen Teller aufgegessen hatte. Und wer war sie schon, ihm zu sagen, dass er dass er etwas Gutes getan hatte? Folglich schwieg sie einfach und ging nicht weiter darauf ein. Vielleicht verstand er ohnehin worauf sie hinaus wollte und wenn nicht, würde er, bemessen an dem, was sie bisher von ihm kannte, ohnehin nachfragen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:36 
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Iorlas hörte Morwens Worte und sah ihr dann nach, wie sie an ihm vorbei ging und es war ein herzhaftes Lachen, was über seine Lippen kam. Sie bezeichnete es also als sein 'kleines, schmutziges Geheimnis'. Um ehrlich zu sein, hatte es so noch nie jemand bezeichnet, aber es war beinahe angenehmer als das, was er sonst schon so alles zu hören bekommen hat. „Ach und was macht dich so sicher, dass es nicht genau das ist, was ich sonst zu den Frauen sage, wenn ich sie in meinem Nachtlager haben will?“, fragte er und versuchte dabei so ernst wie eben nur möglich zu klingen, denn das Ganze war so absurd, weil es absolut nicht der Wahrheit entsprach, dass er alleine bei dem Gedanken schon hätte lachen können. „Du würdest mir in diesem Fall nur in die Hände spielen.“ Er sah ihr hinterher und schirmte dabei leicht seine Augen mit der Hand vor der Sonne ab. Sie hatte mittlerweile ihren höchsten Punkt am Firmament erreicht. Iorlas konnte sich nun wahrlich an keinen Moment erinnern, dass er diesen Titel für derartig private Dinge genutzt hätte. Als junger Mann hatte er durchaus ein etwas unstetes Leben geführt, aber das taten wohl die meisten jungen Männer und er war da keine Ausnahme. Aber diese Zeit lag weit in der Vergangenheit und in den letzten Jahren, nun da hatten andere Aufgaben und Pflichten seinen Kopf übernommen und ihm, so seltsam es sich auch anhören mochte, gar keine Zeit gelassen, um an derartige Dinge zu denken. Aber vielleicht wurde man mit dem Alter auch einfach ruhiger und maß dieser Angelegenheit nicht mehr den Wert zu, wie man es als junger Bursche getan hatte. Jetzt gab es andere Dinge, die mehr Wert besaßen und die lohnenswerter waren verfolgt zu werden. Eine Stadt baute man nicht auf, indem man seine Zeit in einem Bett verbrachte und nicht auf eine der vielen Baustellen. Eigentlich hatte er die letzten Jahre nicht wirklich über diesen Umstand nachgedacht, geschweige denn, dass es ihm in den Sinn gekommen wäre. Erst jetzt, wo Morwen es so direkt angesprochen hatte, drängte es sich wieder zurück in seine Gedanken. Aber das hier war jetzt wohl nicht der passende Zeitpunkt, um sie weiter zu verfolgen.

Er schloss zu Morwen auf und ging einen Moment lang schweigsam neben ihr her, bis sie stehen blieb und erneut das Wort an ihn richtete. Das was sie ihm sagte, ließ ihn wohl eindeutig verlegen den Blick senken. Es war ihm unangenehm, denn in seinen Augen hatte er nichts besonderes getan. Er hatte eine Vision gehabt und er hatte seine Chance gesehen sie wahr werden zu lassen und er hatte sie genutzt. Wenn das einen Titel wert war, dann hätten ihn viele Männer und Frauen in diesen Zeiten verdient. Mag sein, dass er den Stein ins Rollen gebracht hatte, dass er an seinem Vorhaben festgehalten hatte, egal wie schwer die Umstände auch gewesen waren, doch hätte er sein Vorhaben nie in die Tat umsetzen können, wenn es nicht so viele Frauen und Männer gegeben hätte, die ihn beim Wiederaufbau unterstützt hatten. Sie hatten diesen Titel genau so verdient, wie er ihn vielleicht verdient hatte. Ja, vermutlich war das mit ein Grund, warum er diesen Titel nur sehr selten erwähnte und auch nur, wenn er keine andere Wahl hatte. „Es schaffen nicht viele, mich in Verlegenheit zu bringen“, lachte Iorlas leise und sah Morwen an. „Und wehe du verrätst es. Du willst mir doch meinen guten Ruf nicht ruinieren.“ Dabei war ihm sein Ruf ehrlich gesagt vollkommen egal. Er machte sich nicht viel daraus, was Andere über ihn dachten. Für ihn zählte alleine, was seine Freunde von ihm dachten. Sicherlich gab er auch etwas auf die Meinungen, die ihm in Osgiliath entgegen gebracht wurden, so waren es für ihn ebenfalls wichtige Personen, dennoch würden sie nie den Stellenwert erreichen, den Freunde bei ihm inne hatten. Aber in dieser Hinsicht war er wohl auch nicht anders, als Andere.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:37 
~ Morwen ~

Ohne wirklich näher etwas darüber zu wissen wer warum und unter welchen Umständen Iorlas Nachtlager teilte, konnte sich die junge Frau beim besten Willen nicht vorstellen dass er auf diese Art auf Frauenfang ging. Ihr Schmunzeln wurde ein wenig breiter als sie das herzhafte Lachen hinter sich hörte und diese Art der Unterhaltung war ihr weitaus lieber als zu ernste Themen. Auch, wenn ihr gemeinsames Lachen die Stimmung wieder aufgelockert hatte, war sie es, die wieder ernst wurde und die jene Worte die sie an Iorlas richtete auch völlig ernst meinte. Es verblüffte sie ein wenig zu sehen dass er regelrecht verlegen wirkte. Ganz sicher war sie nicht die sich von seiner Geschichte beeindruckt gezeigt hatte und bestimmt hatte man ihm schon vorher für seine Leistungen gelobt. Im Grunde genommen hatte der König Gondors das ja sogar selbst getan. Zwar war sie Aragorn nur ein paar Mal begegnet, zu einer Zeit die inzwischen Jahre zurück lag und in der man ihn vielerorts noch als Streicher gekannt hatte, aber er hatte bei ihr nicht den Eindruck eines Mannes hinterlassen, der einem anderen leichtfertig einen Titel verleihen würde. Wahrscheinlich weil er selbst am besten wusste dass nicht nur Annehmlichkeiten damit einhergingen sondern vor allen Dingen eine Menge Verantwortung derer man leicht überdrüssig werden konnte. Morwen selbst hätte sich mit Händen und Füßen gegen jedes Amt gewehrt dass man ihr aufzwingen wollte. Sehr wahrscheinlich wäre sie so schnell verschwunden, dass nicht einmal die Augen eines Elben noch die Richtung hätten ausmachen können in die sie geflohen war. Verantwortung für andere zu übernehmen entsprach rein gar nicht ihrem Naturell. Viel zu groß war ihre Sorge eine Fehlentscheidung zu treffen und so anderen zu schaden. Bei sich selbst war das etwas ganz anderes- immerhin war sie die Einzige, die ihre Fehler ausbaden musste. Sie brauchte sich nicht zu rechtfertigen oder sich mit Vorwürfen überhäufen zu lassen und dieser Umstand gefiel ihr, trotz der Einsamkeit den er manchmal mit sich brachte, ausnehmend gut. "Nein, das wäre ziemlich dumm." beruhigte sie seine wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeinten Ängste und ergänzte lapidar: "Sobald ich es tun würde, hätte ich dich ja nicht mehr in der Hand." Sie lächelte so unschuldig als könne kein Wässerchen sie trüben und fragte sich, ob er mit solchen und ähnlichen Dingen wohl tatsächlich manchmal zu kämpfen hatte. Morwen lagen Intrigen und Lügen mehr als fern, nicht weil sie ein so aufrichtiger und guter Mensch gewesen wären, sondern weil sich in ihrem Leben einfach kein Nutzen und auch keine Gelegenheiten für solche Dinge boten. Und selbst mit der nötigen Gelegenheit wäre es ihr sicherlich ganz einfach zu anstrengend gewesen, zumal es nicht wirklich etwas gab das sie begehrte und das mit Lug und Betrug hätte erreicht werden können.

Plötzlich richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes und sie blickte nach Meduseld hinauf. Sie sah Bewegungen dort oben, aber das helle Licht der Sonne stach ihr in die Augen, so dass sie nicht genau erkennen konnte, was dort vor sich ging. Sie kniff die Augen eng zusammen und hielt ihre Hand darüber, um besser sehen zu können. Von ihrem Standpunkt aus war es nicht ganz leicht zu beurteilen ob sie das, was dort tatsächlich vor sich ging richtig interpretierte, aber es wirkte so, als versuche jemand sich Einlass in die goldene Halle zu verschaffen. Die Wachen zeigten sich abweisend, was den Mann (das musste er der Statur nach zu urteilen sein) plötzlich nach vorne stürzen ließ. Die Türen öffneten sich und er verschwand, dicht gefolgt von den Wachen in der Dunkelheit Meduselds. Sie schüttelte den Kopf und konnte nicht recht glauben, dass jemand so dreist und gleichzeitig so dumm war trotz Verbotes in die Halle des Königs zu stürmen. Was glaubte er, was man dort mit ihm tun würde? Glücklicherweise hatte sie nicht sehen können wer der Mann war. Aus einem anderen Blickwinkel und ohne von der Sonne geblendet zu werden wäre ihr sicherlich aufgefallen, dass sie den Eindringling kannte. Mehr noch als das – er gehörte zu ihrer eigenen Sippe. Hätte sie auch nur geahnt, dass es Ardamir war, der die Wachen soeben gehörig überrumpelt hatte, ihr wäre nicht im Traume eingefallen ebenfalls um Einlass zu bitten. Nicht einmal gemeinsam mit Iorlas. Da sie von all diesen Zusammenhängen aber nichts ahnen konnte, stieß sie stattdessen ihren Begleiter leicht mit dem Ellenbogen an, um ihn auf die Szene die sich dort, so unglaublich sie auch sein mochte, abspielte aufmerksam zu machen. Sie schüttelte etwas ratlos den Kopf und war sich nicht ganz sicher, ob nicht vielleicht ihre Einbildung ihr einen Streich gespielt hatte. "Habe nur ich da gerade jemand an den Wachen vorbei stürzen sehen?" erkundigte sich und konnte sich bereits ausmalen, dass das ihre Chancen eingelassen zu werden sicherlich beträchtlich verringern würde. Wahrscheinlich wären die Männer, falls das überhaupt möglich war nun noch mehr auf der Hut um ihren Patzer nicht zu wiederholen und in Ungnade zu fallen. Aber trotz der schlechten Aussichten war sie einigermaßen amüsiert darüber wie weit man mit Dreistigkeit offenbar kam. Immerhin war der Störenfried noch nicht wieder vor die Tür gesetzt worden. "Vielleicht sollten wir einfach einbrechen, falls man uns abweist. Scheint ja immerhin ganz gut zu funktionieren."

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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:37 
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Menschen

Ruhig schloss Iorlas zu Morwen auf, als diese wieder stehen blieb und musterte sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, ehe er seinen Kopf und Blick zu Boden senkte. Das leichte Lächeln hatte sich in ein spitzbübisches Schmunzeln verwandelt. „Du glaubst mich in der Hand zu haben?“, fragte er mit einem amüsierten Unterton in der Stimme und sah sie dann von unten herauf aus den Augenwinkel an. „Nun, ich wäre mir da nicht so sicher.“ Es folgte ein kurzes Zwinkern, ehe erneut ein Lachen seine Lippen verließ. „Denn wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, dann bist du diejenige, die ein kleines, schmutziges Geheimnis besitzt“, sagte er und sah Morwen nun wieder direkt an. „Eines, von dem du mit Sicherheit nicht willst, dass es sich in der Stadt der Pferdeherren verbreitet.“ Natürlich würde Iorlas nie auf die Idee kommen, dieses Wissen zu seinen Gunsten zu nutzen. Eine solche Handlungsweise lag ihm fern und er selbst verachtete sie zutiefst. Es gab genug Mittel und Wege, um an Dinge zu gelangen, an die man zu gelangen gedachte und das ohne auf derartig schändliche Mittel zurückgreifen zu müssen. Wer es nur auf diese Weise schaffte, der hatte nicht verdient in Händen zu halten, was er damit erlangt hatte. Wenn er so überlegte, dann hatte er in seinem Leben schon so manche Kenntnis von Geheimnissen gehabt, die ihm mit Sicherheit durchaus hilfreich gewesen wären, wenn er sie an entsprechenden Stellen verraten hätte, doch war der einfache Weg, der Weg eines Feiglings. Vielleicht sah er es auch einfach zu idealistisch, aber manchmal musste man den schweren und kämpferischen Weg gehen, um an sein Ziel zu gelangen, denn nur dann wusste man diese Errungenschaft auch zu schätzen. Nein, Morwen brauchte sich wahrlich keine Sorgen machen, er könnte ihr kleines Geheimnis verraten. Er würde es selbst nicht einmal dann verraten, wenn sie seines überall in Edoras verbreiten würde. Er war ein Mann der Ehre. Diesen Anspruch hatte er selbst an sich gestellt.

Auch Iorlas war das Schauspiel vor den Türen der Goldenen Halle nicht entgangen und ein kleiner Teil von ihm zollte dem unbekannten Mann doch ein wenig Respekt. Sich einfach Zutritt zu den Goldenen Hallen zu verschaffen – Diesen Schneid besaßen nicht viele Menschen in dieser Welt und noch weniger gab es, denen es auch wirklich gelang. Vielleicht hatte er mit seiner Vermutung Recht behalten, doch das würde sich heraus stellen, wenn sie selbst die Goldene Halle betreten hatten. „Der Mann den wir gerade gesehen haben, wird wohl der gleiche Mann sein, welcher erst vor kurzem hier angekommen ist“, sprach Iorlas mit ruhiger Stimme, den Blick auf die Goldene Halle gerichtet. „Und er ist auch der Grund, weswegen ich selbst den Weg zu den Goldenen Hallen angetreten habe.“ Iorlas hatte den Mann nicht erkannt und er war ihm nicht einmal vage vertraut vorgekommen, aber er hatte genug beobachtet, um erahnen zu können, wer er wohl sein könnte und wenn er mit seinen Vermutungen nicht daneben lag, dann gab es allen Grund den Weg zum Meduseld angetreten zu sein. Niemand trat eine so lange Reise an, wenn es nicht von größter Wichtigkeit wäre. „Als wir im Heerlager waren, da erreichte ein Reiter eben dieses“, erzählte Iorlas Morwen von dem, was er gesehen hatte. „Sein Weg führte ihn erst an die Tore der Stadt und dann zu den Elben aus Bruchtal, die ihn offenbar zu kennen schienen. Ein etwas merkwürdiger Umstand um ehrlich zu sein. Doch das war nicht das einzig merkwürdige, denn ich konnte auf der Satteldecke den Weißen Baum erkennen, wenn auch ziemlich verdreckt und ich vermute, dass sich das Wappen des Königs auch auf dem Zaumzeug befunden haben muss.“ Es war zu weit weg gewesen, als dass er es wirklich hätte sehen können, aber es musste einfach so sein, wenn seine Kombinationsgabe ihn nicht völlig im Stich gelassen hatte. „Der Reiter hatte sich dem Lager aus östlicher Richtung genähert, was somit eine Herkunft aus Gondor selbst ausschließt“, erklärte Iorlas weiter und sein Blick lag dabei wachsam auf Morwen, wie als wolle er sich davon überzeugen, dass sie seinen Worten folgen konnte. „Denn dann hätte er sich dem Lager aus westlicher Richtung genähert. Wenn er also nicht aus Gondor selbst kommt, das Tier jedoch das königliche Wappen trägt und er nicht unrechtmäßig an dieses Pferd gelangt ist, dann bleibt nur ein Ort übrig, von welchem der Reiter stammt – Annúminas. Die Hauptstadt des Königreichs Arnor.“ Er selbst war noch nie dort gewesen, zu fern lag es doch der eigenen Heimat. Sicherlich, der König selbst hatte oft schon diese lange Reise angetreten und er hatte ihn ein paar Mal gefragt, ob er ihn denn nicht begleiten wolle, doch Iorlas hatte stets abgelehnt. Zu sehr war er einfach in die Wiedererrichtung Osgiliaths eingebunden. Nun, die Stadt wäre auch weiter aufgebaut worden, auch wenn er nicht anwesend gewesen wäre, aber er wollte einfach diese Leute nicht im Stich lassen. Er wollte für sie da sein, wenn es Fragen oder gar Schwierigkeiten gab. Außerdem, wenn der König nicht im Land war, musste doch wenigstens er in der Nähe sein, so war doch Fürst Faramir von Ithilien noch weiter entfernt. Ein Gedanke, der ihn selbst immer zum Lachen gebracht hatte.

„Sollte dem so sein, dann muss er schon vor Wochen seine Reise angetreten haben und somit waren die Vorfälle in Lorien nicht der Ursprung seiner Reise. Sie geschahen, als er sich bereits auf seiner Reise befand“, sprach Iorlas weiter und sah einen kurzen Moment zum Meduseld hinauf. „Demnach kann auch nicht Edoras das Ziel seiner Reise sein, sondern es muss Minas Tirith sein.“ Dann sah er wieder zu Morwen. „Wenn also ein Reiter, mit einem Pferd aus den königlichen Stallungen Annúminas, den weiten Weg nach Minas Tirith auf sich nimmt, dann muss er eine Botschaft von großer Wichtigkeit bei sich tragen, was auch erklären würde, dass er sich nicht von ein paar Wachen aufhalten lässt, diese Botschaft dem König der Vereinigten Königreiche zu überbringen.“ Es waren nur eine Handvoll Beobachtungen gewesen, die Iorlas gemacht hatte und die er mit Hilfe seiner Kenntnisse zu einem Bild zusammengefügt hatte, welches ihm logisch erschien. Es musste nicht bedeuten, dass er damit richtig lag. Aber es würde zumindest so manches erklären. "Du kennst nicht zufällig jemand, auf den dies zutreffen könnte?", fragte er Morwen mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:38 
~ Morwen ~

Morwen lachte laut und stemmte die Hände in gespielter Entrüstung in die Hände. "Du kannst nicht den Erpresser erpressen, das ist gegen die Spielregeln." Tatsächlich vermutete sie, dass ihr kleines Geheimnis zumindest in Edoras für weitaus mehr Aufsehen sorgen würde, als das seine. Normalerweise fiel es ihr nicht leicht, sich geschlagen zu geben, aber sie musste zugeben, dass Iorlas ihr an Schlagfertigkeit in nichts nach stand. "Sollte jemand in deiner Postion nicht ein Ehrenmann sein und die Geheimnisse einer Frau in Bedrängnis bewahren statt sie in Verlegenheit zu bringen?" beschwerte sie sich wenig ernsthaft und schien alles andere als besorgt darüber, dass er vielleicht tatsächlich herumlaufen und ihre Abneigung gegen Pferde ausplaudern könnte. Die kleinen Wortgefechte bereiteten ihr Freude und sie war davon überzeugt, dass es Iorlas ebenso erging. Es schien nichts hinterhältiges oder berechnendes an ihm zu sein, Eigenschaften, welche die junge Frau wohl sofort in die Flucht getrieben hätten. Sie fühlte sich bei dieser Art von Unterhaltung, halb scherzhaft und ein wenig neckend weitaus wohler, als es bei ernsten Themen der Fall war. Hier musste sie nicht wirklich etwas von sich Preis geben und war nicht gezwungen, ihren Gegenüber tiefer blicken zu lassen, als ihr vielleicht lieb gewesen wäre. Iorlas machte es ihr, was diesen Punkt betraf sehr leicht. Er stellte keine Fragen und belagerte sie nicht und wäre der Anlass ein anderer gewesen, hätte sie den Tag sicher gern weiterhin in seiner Gesellschaft verbracht, ohne sich große Sorgen darum machen zu müssen, was Morgen bringen würde.

Die Szenerie, die sie beide beobachteten riss sie aber zurück in das, was der eigentliche Grund für ihre Anwesenheit hier war und sie schwieg eine ganze Zeit lang. In ihrem Kopf schien es zu arbeiten, ihr Gesicht war angespannt und fast sah es so aus, als wolle sie gar keine Antwort mehr geben. Das, was Iorlas da zusammen kombiniert hatte machte nämlich auch für sie durchaus Sinn, nur kannte sie die Geschichte von einer anderen Seite. Sie kannte durchaus jemanden, der dreist genug gewesen wäre, ein Pferd aus den königlichen Stallungen an sich zu bringen und der auf die selbe Idee gekommen war wie sie. Allerdings schien ihr seine Dreistigkeit zu fehlen und sie hatte auf eine passendere Gelegenheit gewartet um ihr Anliegen vorzutragen, statt einfach in eine geheime und noch dazu streng bewachte Sitzung herein zu platzen. Auch, wenn sie bei der Vorstellung, dass sie nach diesem Auftritt sicherlich wenig willkommen war ein bisschen blass um die Nasenspitze wurde, machte ihr die Nachdrücklichkeit, mit der er sich unerlaubten Zutritt verschafft hatte, Sorgen. Warum diese Eile, warum dieses Risiko eingehen? Hatte er Dinge zu berichten, von denen sie noch gar nichts wusste? Denn womit sonst würde sich dieser Auftritt erklären lassen? Immerhin hatte die große Ratssitzung schon stattgefunden und Morwen ging noch immer davon aus, dass die Nachricht, die sie an die Elben in Bruchtal gesandt hatten, ihren Weg zu Elrond gefunden hatte. Sie fühlte sich von Iorlas unangenehm beobachtet und es gefiel ihr gar nicht mit zu erleben, wie er scheinbar kinderleicht die kleinen Hinweise zu einem Ganzen zusammen setzte. Obwohl es durchaus für einen scharfen Verstand sprach. Nur musste er den ja nicht zwingend an ihr auslassen. Sie fing seinen Blick auf, begleitet von diesem leisen Schmunzeln, dass sie heute schon einige Male zu sehen bekommen hatte und fühlte sich seltsam verpflichtet, eine Antwort zu geben. Wahrscheinlich war es sowieso schon viel zu spät um sich dumm zu stellen, denn Morwen war alles andere als eine gute Lügnerin und man konnte ihr an der Nasenspitze ansehen, dass sie mit seinen Vermutungen etwas anfangen konnte.
"Der Grund seiner Reise sind nicht die Vorfälle in Lorien, sondern die in Carn Dûm." erwiderte sie mit einem harten Unterton in ihrer Stimme, der vor wenigen Augenblicken noch nicht da gewesen war. Die Erinnerungen an jene Nacht waren etwas, das sie nur zu gerne ausgeblendet hätte und das sich nun unwillkommen erneut vor ihrem geistigen Auge abspielte. Selbst hier in der warmen Sonne unter strahlend blauem Himmel schien es allein bei dem Gedanken an diesen verfluchten Ort merklich kühler zu werden. Erneut schwieg sie, versuchte nicht weiter darüber nachzudenken und rätselte, ob sie mit ihrer Vermutung recht hatte. "Ich kenne tatsächlich jemanden, auf den all das zutreffen könnte." fügte sie schließlich hinzu. "Nur weiß ich nicht, wieso er hier ist." Sollte tatsächlich Ardamir dort oben durch die Tore des Königs geschlüpft sein, dann war das ein schlechtes Vorzeichen und bestimmt waren die Neuigkeiten, die er brachte ebenso schlecht. Auf die Idee, dass er einfach nur dem selben Gedankengang gefolgt war wie sie selbst, kam sie natürlich nicht. Wie auch? Ihrem Wissen nach hätte er in Annuminas sein sollen. Es war zwar genau genommen auch nicht ihre, aber eben auch nicht seine Aufgabe, irgendwelche Nachricht zu überbringen. Immerhin hätte dies Elrond zufallen sollen. Was also ging im Norden vor sich, von dem sie noch nichts wusste, was war passiert, dass ihn zur Abreise bewogen hatte? Wenn er eben erst Edoras erreicht hatte, so konnte er nicht lange in seiner Heimat verweilt haben. Was auch immer vorgefallen war, Morwen wollte Klarheit und nun mehr denn je nach Meduseld eingelassen werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 1 - Edoras
Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 16. Jan 2016, 01:39 
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Als die Sonne an diesem Abend langsam hinter dem Horizont verschwand glich Edoras noch immer einem geschäftigen Wespennest. Die meisten Menschen hatten ihr Tageswerk verrichtet und betrachteten nun neugierig die vielen Fremden, die sich vor der Stadt versammelt hatten. Als in den Mauern selbst kein Platz mehr war, hatte man hier direkt vor den Toren ein großes Lager errichtet. Bei nicht wenigen weckte es schmerzhafte Erinnerungen an die Heerlager aus Kriegszeiten, doch bisher gab es keine Nachricht, die diese Ängste tatsächlich bestätigt hätte. Tatsächlich lagerten dort, untergebracht in großen Zelten zwischen denen nun, als die Dunkelheit sich herab senkte die ersten Feuer entzündet wurden, nicht nur Krieger. Viel mehr fanden sich Abgesandte und Boten sämtlicher Völker. Viele von ihnen hatten ihrerseits wieder Vertraute und natürlich auch Bewaffnete zu ihrem Schutz mitgebracht. Von einer Heerschau war die bunte Versammlung jedoch weiter entfernt, als manche Einwohner Edoras glaubten.

Die teils hitzigen Diskussion die hinter verschlossenen Toren in Meduseld stattgefunden hatten, waren inzwischen beendet worden. Zwar gab es keine offiziellen Berichte über das, was dort besprochen und beschlossen worden war und jene, die an den daraus resultierenden Entscheidungen teilgehabt hatten hüllten sich in Schweigen. Doch wie so oft verbreiteten sich auch hier Neuigkeiten weitaus schneller als es manchen lieb war. Gerüchte machten die Runde, wurden von einem zum anderen weitergegeben und nicht selten ausgeschmückt. Trotzdem schien klar zu sein, dass nicht alles, worüber an diesem Abend getuschelt wurde der Phantasie entsprang. Kleinere Gruppen in dem eilig errichteten Lager machten sich für die Abreise am nächsten Morgen bereit, während viele noch darüber rätselten, oder auch empört den Kopf über den Fremden schüttelten, dem es gelungen war sich beinahe gewaltsam Einlass nach Meduseld zu verschaffen. Er hatte die Wachen überrumpelt und war einfach in die große Halle gestürzt. Dass dieses Verhalten nicht nur äusserst fragwürdig war, sondern dass er sicher wichtige Kunde gebracht hatte war ein Punkt, in dem die meisten sich inzwischen einig geworden waren. Weniger Einigkeit herrschte jedoch in der Frage, wer und warum sich auf eine Abreise vorbereitete. Und wohin wollte dieser scheinbar von den hohen Herren zusammengestellte Trupp? Nur wenigen Eingeweihten war bekannt, dass man tatsächlich plante im Morgengrauen gen Isengard zu reiten. Diese Information sickerte jedoch im Laufe des abends durch und verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Menschen. Der nun leerstehende Turm des Zauberers war ein Ort den fast alle Bewohner Rohans mit Angst und Schrecken verbunden. Es war jener Ort, von dem aus ihr einstiger Verbündete sie verraten und ihr Land mit Krieg und Schrecken überzogen hatte. Wenn ein Spähtrupp dorthin geschickt wurde, musste es wichtige Gründe geben. Vor allem jedoch erschien es den meisten wie ein schlechtes Omen. Fast ein jeder entwickelte eine ganz eigene Theorie, warum dieser Ritt notwendig geworden war und nicht wenige unkten, der Zauberer sei zurückgekehrt. Tatsache war jedoch, dass niemand, außer jenen, die an der Sitzung mit dem König teilgenommen hatten wirklich etwas wusste. Der Nährboden für allerlei Gerüchte und Vermutungen war gewässert und nun trieb er schon die ersten Früchte.

Die Stimmung in der Stadt des stolzen Reitervolkes war dementsprechend aufgeladen. Die Menschen waren neugierig und aufgeregt, wohl nicht zuletzt, weil keiner von ihnen jemals ein solches Aufgebot von Fremden gesehen hatte. Die Völker mochten nach dem Ringkrieg ihre Bündnisse erneuert haben, dennoch war die normale Bevölkerung weit davon entfernt einen Zwerg oder Elb in ihren Straßen als einen alltäglichen Anblick zu empfinden. Vielleicht, um diesem Zusammentreffen einen weniger ernsten Anstrich zu verleihen lud Theoden selbst jedoch nicht nur sein eigenes Volk, sondern auch alle Besucher an diesem Abend ein, gemeinsam zu feiern und näher zusammen zu rücken. Die meisten ließen sich das natürlich nicht zweimal sagen und so überrascht es nicht, dass die alte Taverne schon nach kurzer Zeit aus allen Nähten platzte und das Bier in Strömen floss. Die Straßen der Stadt waren gut gefüllt, man erlaubte sogar den Kindern länger aufzubleiben um die Anmut der Elben zu bestaunen, oder einem Zwerg das ein oder andere kunstvoll gefertigte Spielzeug abzuluchsen. Überall waren Fackeln und Feuer entzündet worden und die Rohirrim erwiesen sich als gute Gastgeber, die darum bemüht waren, ihre Heimat so vorteilhaft wie möglich zu präsentieren. Man munkelte, dass selbst die hohen Herren sich unter das Volk mischen wollten und harrte voller Vorfreude einem Abend, den Edoras so schnell nicht vergessen würde.



Anwesende Personen
Kahlan + Glorfindel - Straßen
Morwen+Legolas+Ardamir - Straßen

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