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Kapitel 2 - Riddermark/Westmark
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Autor:  Runa [ Do 17. Mär 2016, 18:41 ]
Betreff des Beitrags:  Kapitel 2 - Riddermark/Westmark

Runa # Aedan # Elfhelm # früher Morgen # Waldstück der Westmark, nahe der Pforte von Rohan

Runa verzog leicht den Mund, als ihr derzeit einziger Begleiter, ein reißender Schmerz am linken Schenkel, wieder ungnädig aufflammte. Nach einem schmerzvollen Aufgurgeln war das Reh, welches sie zu erlegen versucht hatte, zwischen den dichten Gebüschen verschwunden; Runa wusste nicht, ob sie das Tier mit dem Speer auch wirklich tödlich erwischt hatte oder nicht. Mit einem unterdrückten Fluchen betrachtete sie den improvisierten Verband um ihr verletztes Bein und die darunter aufgeschlitzte Hose; der ohnehin dreckige Stoff verfärbte sich zusehends rot, was keinen Zweifel daran ließ, dass der Schnitt wieder aufgebrochen war. Sonderlich tief war er nicht, doch spielte das kaum eine Rolle, wenn sie sich doch noch eine Infektion zuziehen würde. Hier, in einem für sie gänzlich fremden Landstrich hatte schon sie genug Probleme; sich dann womöglich noch mit Fieber und Schlimmerem herumquälen zu müssen, war nicht gerade das Rezept zu ihrem persönlichen Glück.

Ihr Glück hatte Runa vermutlich ohnehin schon ausgereizt; es war nun knapp zwei Tage her, als sie günstige Umstände hatte zum Vorteil nutzen können und aus der Gefangenschaft der Sklavenhändler geflohen war, die -soweit sie wusste- sie und einige andere Pechvögel, nach Dunland hatten verkaufen wollen. Runa im Speziellen war nicht irgendeine Gefangene für den Trupp gewesen, sondern ein Auftrag, weshalb sie sich sicher war, dass man noch nach ihr suchte. Glücklicherweise hatte sie im dichten Wald der Westmarsch diese natürliche Höhle hinter einem Wasserfall entdeckt, welche ihr seither als Versteck diente. Es war unwirtlich, kühl und der verdammte Fledermausdreck stank erbärmlich, aber es war relativ trocken und sicher – bisher.
Sie hatte Wasser, dank dicker Fische und den Schätzen der Umgebung auch etwas zu essen, doch wollte sie schnellstmöglich weiterziehen, bevor man sie am Ende doch noch fand. Das Fleisch des Rehs hätte sie sicherlich schnell wieder völlig auf die Beine gebracht, aber sie hatte so ihre Zweifel, dass der improvisierte Speer gut getroffen hatte.

Runa erhob sich aus der erhöhten Deckung, hinter der sie auf der Lauer gelegen hatte, versuchte ihr schmerzendes Bein so gut es ging auszublenden und folgte dem geflohenen Tier zwischen die Büsche. Hier und dort erkannte sie Blutspritzer, die es ihr einfach machten den Weg des Tieres zu verfolgen. Es dauerte nicht lange, da kam sie an eine tiefe Lichtung; das Tier war also doch noch zusammengebrochen und lag tot, den Speer im Hals, zwischen den Gräsern. Es tat ihr leid, dass das Tier sich offensichtlich noch so lange hatte quälen müssen; sie hätte sich wirklich gewünscht, es schnell, ohne unnötigen Schmerz erlegen zu können. Kurz furchte sich ihre Stirn in eben diesem stillen Mitleid, bis eine Bewegung, unweit von ihr, sie alarmierte und sie sich in den Schutz der hohen Gräser zurückzog.
Verdammt..., ging es ihr erbost durch den Kopf, nachdem sie zweifelsohne einen Mann in leichter Rüstung ausgemacht hatte, der sich dem toten Tier näherte. Er war keiner der verfluchten Sklavenhändler und scheinbar alleine unterwegs, aber das machte es nur bedingt besser. Sie würde sich ihre Beute jetzt nicht einfach so abnehmen lassen... Nun, vielleicht hätte sie sich doch einfach zurückgezogen, wenn eine innere Stimme ihr nicht unterschwellig riet, den Vorteil aus der Situation zu nutzen. Sie wusste nicht, wo sie war und sie brauchte -ganz gleich, wie ungerne sie sich oder anderen, Schwäche eingestand- Hilfe. Womöglich war das die beste Gelegenheit dazu? Sicher, es war riskant – ziemlich sogar, aber diesen Bogen hatte sie ohnehin schon längst überspannt. Und wenn sie noch ehrlicher zu sich war, hatte sie es satt alleine zu sein.

Die rassige junge Frau verfolgte den deutlich älteren Mann eine gute Weile mit den Augen, wie er sich das Tier betrachtete und scheinbar seine Schlüsse daraus zog, dass ihm ein Speer aus dem Hals ragte. Seine Blicke schweiften aufmerksam in die Nahe Umgebung und verdammt, er schien zu wissen, auf was er zu achten hatte! Nicht mehr lange und er würde sie entdecken. Runa beschloss sich nicht die Blöße zu geben dabei 'entdeckt' zu werden, wie sie wie ein verängstigtes Karnickel in den Gräsern hockte, und stand schließlich auf, all ihr Selbstbewusstsein in ihre Haltung gelegt.
„Seid gegrüßt, Fremder!...“, rief sie ihm locker entgegen und presste kurz die Lippen aufeinander, weil das Loslaufen ihr erneut eine gemeine Schmerzwoge einbrachte. „Ich hoffe, ihr wollt mich nicht um meine Beute bringen?...“, säuselte sie mit einem recht unbeschwerten Schmunzeln, welches allerdings keinen Funken an Belustigung enthielt.
Während sie sich ruhig näherte, wobei sie ein Humpeln nicht verbergen konnte, versuchte sie ihn nach allen Regeln der Kunst in seiner Körpersprache zu lesen und meinte zu erkennen, dass er das seinerseits tat.

ooc: Hoffe es passt, wenn nicht, einfach schreien! (=

Autor:  Aedan [ Do 31. Mär 2016, 09:30 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kapitel 2 - Riddermark/Westmark

Seit geraumer Zeit schon hielt sich Aedan im Grenzgebiet zu Rohan auf. Nicht dass dies sein gewohntes Revier war, denn das war es keineswegs, aber nachdem einige vereinzelte Gruppen von Sklavenhändlern seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten, hatte er den Entschluss gefasst diese Angelegenheit mal ein wenig im Auge zu behalten. Faramir war, wie er wusste, nach Rohan aufgebrochen und so schien es ohnehin keine schlechte Idee zu sein sich zumindest im Grenzgebiet aufzuhalten. Man konnte schließlich nie wissen, wann vielleicht ein Einsatz seinerseits von Nöten sein würde. Ohnehin lag, trotz des lange zurückliegenden Ende des Ringkrieges und der Schreckensherrschaft Sarumans in Isengart, ihre vermehrte Aufmerksamkeit auf diesem Landstrich, der von solch wichtiger strategischer Bedeutung sein konnte. Während sich viele seiner ehemaligen Waldläufer-Kollegen nach dem Ende des Krieges zurückgezogen hatten und sogar sesshaft geworden waren, war dieser Gedanke für ihn niemals wirklich in Frage gekommen. Er war einfach niemand, der lange Zeit an den selben Orten verweilen konnte.

An diesem Tag schien alles ruhig zu sein, was ihn dazu verleitet hatte einen Platz unter einem der Bäume aufzusuchen und dort zu verweilen. Nur weil er es kaum ertragen konnte länger an ein und dem selben Ort zu sein, hieß das nicht, dass er einen ruhigen Moment nicht zu schätzen wusste. Gerade hatte er einen Bissen von dem Apfel genommen, den er seit einigen Tagen bereits mit sich herumschleppte, als unweit von ihm ein Reh zwischen den Büschen hervorpreschte. Unter normalen Umständen nichts, was seine Aufmerksamkeit länger als wenige Sekunden auf sich gezogen hätte, doch der Speer, der im Hals des Tieres steckte und nur wenige Meter weiter dafür sorgte, dass das Reh zitternd zusammenbrach und noch verendete, bevor er es erreichen konnte, änderte die Situation dramatisch.

Aedan warf den angebissenen Apfel zur Seite, so würde sich früher oder später ein Tier daran erfreuen können, und trat auf das Reh zu, das seinen letzten Atemzug bereits getan hatte. Kurz ging er neben dem Körper des Tieres in die Hocke und strich über dessen Hals, wobei er bereits dessen Weg mit aufmerksamen Blick zurückverfolgte. Zumindest bis zu der Stelle, wo es aus dem Gebüsch hervorgeprescht war. Dass es mit diesem Speer keinen sehr weiten Weg zurückgelegt hatte, stand außer Frage, was bedeutete, dass derjenige, der das Tier so ungeschickt getroffen hatte, zweifellos in der Nähe war. Kopfschüttelnd tätschelte er den blutigen Hals des Rehs, ehe er seine Hand um den Speer schloss und diesen aus dem Körper des Tieres zog, während er sich wieder gänzlich aufrichtete. Aedan machte sich keine Gedanken darüber, dass der vermeintliche Jäger auf den Gedanken kommen könnte ihn angreifen zu wollen, denn wenn man die Zielgenauigkeit berücksichtigte, mit der man das Reh erlegt hatte, würde ein möglicher weiterer Speer ihn definitiv verfehlen. Dennoch galt es Vorsicht walten zu lassen, denn man konnte nie wissen, wer sich hinter diesem ungeschickten Versuch verbarg.

Aedan lauschte, hörte auf noch so kleine Geräusche, die nicht zum gewohnten Klangbild der Umgebung passten. Vögel, Blätter, Wind... sein Blick haftete an der Umgebung der Stelle, die er bereits zuvor ins Auge gefasst hatte. Und da war sie. Plötzlich inmitten des Grases stand sie da und setzte sich nur einen Augenblick später in Bewegung, um langsam in seine Richtung zu gehen. Sie humpelte und schien sich dabei besonders viel Mühe zu geben sich nichts anmerken zu lassen. Mit einer halbherzigen Bewegung stach Aedan den Speer in den Boden und trat einen einzelnen Schritt nach vorne. Nicht mehr. Nicht weniger. Ein Schritt, während sein Blick unentwegt auf ihr lag, obwohl er vom ersten Augenblick an zu der Erkenntnis gelangt war, dass von ihr keinerlei Gefahr ausging. Nun, zumindest nicht für ihn. Das Reh hatte diese Begegnung ja nicht zu glücklich überstanden.
"Eure Beute, hm?" gab er schließlich zurück und nickte langsam. "Der Hals ist keine gute Stelle, um das Beutetier schnell zu erlegen, ohne dass es dabei unnötig lange leidet." Ein Hinweis, den er sich selbst dann nicht hätte verkneifen können, wenn es sich nicht um so ein junges Ding, sondern einen gestandenen Mann gehandelt hätte. "Und was treibt so ein junges Geschöpf hier draußen so weit abseits jeglicher Zivilisation alleine im Wald?" Aedan kannte die vereinzelten Bewohner, die in der unmittelbaren Gegend einsam lebten und wenn er eines wusste, dann, dass er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Ein Grund mehr, um einen gewissen Grad an Skepsis, wenn auch nicht unbedingt übertriebener Vorsicht walten zu lassen.

Autor:  Runa [ So 3. Apr 2016, 12:03 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kapitel 2 - Riddermark/Westmark

Runa schluckte leicht, während ihre dunklen Augen auf den blutbesudelten Speer lagen, welches der Unbekannte dem Tier bereits aus dem Hals gezogen hatte. Aufmerksam las sie in seiner Körperspannung und konnte aufgrund dessen schnell ausschließen, dass er sie anzugreifen gedachte. Er schien verwundert, was sie wiederum kein Stückchen wunderte.
Auf seine Feststellung gegenüber ihren 'Jagdkünsten', durchzog sie ein kurzer Stich, den sie aber fast augenblicklich verdrängen konnte; zugutekam ihr da wohl der unterschwellig keimende Ärger über diesen Kerl, der die Weisheit wohl mit der ganz großen Kelle gefressen zu haben schien.
Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und hob die Arme etwas seitlich ab, wobei ihr Blick kurz an ihr Selbst hinaufglitt. „Vielleicht habt ihr es nicht bemerkt, aber ich bin derzeit nicht sonderlich gut bei Kräften. Ihr dagegen, was seid ihr? Ein Jäger, ein Waldläufer?...Ihr mögt vielleicht keine Probleme damit haben, mit einem notdürftig geschnitzten Speer, den von harten Rippen geschützten Brustkorb zu durchbrechen, um das Herz zu treffen...ich dagegen, hatte nur diesen Versuch und war gezwungen die weichste und nächstverletzliche Stelle zu treffen.“, erklärte sie sich mit einer Trockenheit, für die sie bekannt war. „Aber ihr habt recht. Es hätte schneller gehen sollen. Tat es aber nicht. Und ich brauche etwas Anständiges im Magen, wenn ich wieder zu Kräften kommen soll.“ Es folgte auf seiner Frage zu ihrer Person ein etwas versöhnlicherer Tonfall, gepaart mit einem fast schon unbeschwerten Lächeln. „Nennt mich Runa.“, stellte sie sich erst einmal vor und war nun vollends zu ihm und dem Tier herangetreten. Sie musterte sein Gesicht einen Moment. „Hm...“ Sie blickte kurz nach unten; unbestimmt und überlegend. Sie stand mit dem Rücken ziemlich an der Wand. Hier jetzt einfach so den wahren Stand der Dinge herauszuposaunen, konnte ihr zugutekommen, oder das genaue Gegenteil einläuten; sie musste sich entscheiden. Und nach einem Moment entschied sie alles auf eine Karte zu setzen – was blieb ihr auch übrig.

„Man hat mich verschleppt.“, fing sie an und betrachtete ihn aufmerksam, wie er darauf reagierte. „Seit Wochen war ich in deren Gefangenschaft. Sklavenhändler. Sie sind auf dem Weg nach Dunland. Ich nutzte eine gute Gelegenheit und konnte mit viel Glück vor ihnen fliehen. Wie Ihr seht, nicht ganz unbeschadet.“ Bei dem Gedanken an die vergangene Zeit, die Strapazen und Torturen, die sie hatte durchleiden müssen, fröstelte es sie leicht; den Blick von ihm abziehend, versuchte sie zu verhindern, dass er ihre Empfindungen deuten konnte. Sie wandte sich leicht um und sah in die Richtung, aus der sie gekommen war. „Ich habe eine verlassene Höhle gefunden und nun...“ Runa lächelte schulterzuckend zu ihm auf. „Ich versuche meine Wunden zu lecken. Euch hier zu treffen ist hoffentlich mein Glück?!“, stellte sie infrage. „Wenn ich ehrlich bin, ich habe keine Ahnung, wo ich hier bin, noch, wie ich zurück nach Belfalas komme...“ Das war im Grunde die ganze Wahrheit – im Grunde...

„Helft ihr mit das Tier in mein Versteck zu bringen?“, fragte sie dann unvermittelt und direkt und seufzte leicht. Es passte ihr natürlich nicht sich hier so ausliefern zu müssen, doch hatte sie wenig bessere Optionen und er war von kräftiger Statur. „Ich versuche mich so wenig wie möglich draußen herumzutreiben, falls diese Mistkerle noch in der Nähe sind. Und wer seid Ihr denn überhaupt? Und darf ich mal?!“ Sie griff vor und nahm sich ihren improvisierten Speer wieder zur Hand, um sich ein wenig darauf zu stützen. Sie war nicht sicher, ob er ihr wirklich helfen wollte, weshalb sie sich kurz hadern die Lippen benetzte und ein leises: „Bitte... Ich könnte wirklich Hilfe gebrauchen!...“, hinterher Runa schob.

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