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Chapter 2 - Let the party started
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Autor:  Josh Henderson [ Do 4. Aug 2016, 01:12 ]
Betreff des Beitrags:  Chapter 2 - Let the party started

Der erste Arbeitstag von Caia lag nun schon fast eine Woche zurück und somit auch die Sache mit dem Bagel, dem sie ihm hinterher geworfen hatte, nur weil er ihrem Begleiter ganz offen ins Gesicht gesagt hatte, was er von ihm als Tank hielt. Was er von ihm als Mensch hielt, hatte er sich verkniffen, denn dann wäre wohl mehr als nur ein Bagel in seine Richtung geflogen und außerdem wollte er es sich mit Caia nicht weiter verscherzen, als er es bereits mit seiner damaligen Aktion getan hatte. Er wollte ja das Verhältnis zwischen ihnen verbessern und nicht dem Untergang weihen. Aber wenn er vor ihm ein solcher Tank stand und auch noch die Frechheit besaß, sich als ein solcher zu bezeichnen, dann konnte er seinen Mund einfach nicht halten. Er spielte selbst einen Drachenkriegertank, den besten den es auf dem Server gab und daher wusste er genau wovon er sprach. Er wusste genau, wann er kritisieren konnte und vorallem was er kritisieren konnte. Es war ja nicht so, dass seine Kritik vollkommen aus der Luft gegriffen gewesen war. Sie hatte vollständig auf Fakten beruht. Fakten, die eigentlich jeder kennen sollte, wenn er sich nur ausreichend mit seiner Klasse beschäftigte. Aber für die Meisten war das ja schon zu viel verlangt.

Wenn er so nachdachte, sollte er vielleicht einmal ein 'best of' veröffentlichen, mit all den Kuriositäten die ihm im Laufe seiner Karriere schon untergekommen waren. Lifetanks gehörte da, auch wenn es die Sache nicht besser machte, zum gewohnten Bild bei Extermination Online. Wenn man sich bei den Anarchy Crusades bewegen wollte, und das taten relativ viele Spieler, immerhin waren sie eine der 5 erfolgreichsten Gilden weltweit, dann sollte man sich eigentlich im Klaren sein, dass man neben Top Gear, eben auch mit Top Klassenverständnis punkten musste. Mit Bullshit ließ sich kein World First hohlen. Die Luft an der Weltspitze war dünn und hier entschieden einfach Gear, aber in aller ersten Linie Skill über Sieg oder Niederlage. Die Weltspitze verzieh keine Fehler. Ein einziger Fehler konnte den World First kosten. Ein geringes Defizit an Gear ließ sich zur Not ja noch kompensieren, wenn der Spieler über entsprechend Skill verfügte, aber das traf im allerbesten Falle auf weniger als 0,1% der Spieler zu, die sich bei ihnen so beworben. Vor Jahren hatte sich mal ein Hunter bei ihnen beworben, auf dessen Gear sich Int und Wille befunden hatte. Werte, die bei einem Hunter auf dem Gear absolut nichts zu suchen hatten. Auf die Frage hin, auch wenn man sich die Antwort fast schon denken konnte, warum er bitte Int und Wille auf dem Gear hätte, erklärte der Hunter voller Überzeugung, es würde seine Petheilung erhöhen. Ihr glaubt nicht, wie schnell dieser Hunter von unserem Voiceserver geflogen ist. Gut, er hat natürlich für einen Lacher gesorgt, aber mehr noch für ein verzweifeltes Kopfschütteln. Solche Exemplare stellen leider nur die Spitze des Eisbergs völliger Unfähigkeit dar.

Aber hin und wieder beworben sich auch Spieler, die über durchaus akzeptables Gear verfügen. Halt etwas, mit dem man arbeiten konnte und was man nicht an jeder Ecke bekommt. High End Gear eben. Solche Leute laden wir aber nicht einfach so ein, sondern sie müssen sich erst noch in einem Raid beweisen, damit sie überhaupt in die nächste Bewerbungsrunde kommen. Ja, wir haben ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren, damit am Ende auch wirklich nur noch die Elite übrig bleibt. Immerhin sind bei uns freie Raidplätze rar. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen in was für einem Fiasko das in 99% aller Fälle geendet hat. Man blieb in jedem Shit stehen, HPS und DPS waren für'n Arsch, Taktikkenntnisse von nicht vorhanden und von Skill weit und breit nichts zu entdecken. Da hätte nicht einmal mehr eine Lupe geholfen. Solche Leute hatten ihren Char entweder gekauft oder aber sich gegen Geld von anderen Gilden durch den Content ziehen lassen. Ist die Gilde gut genug, kann man sich auch in die Ecke setzen und der Boss liegt.


Natürlich zogen auch wir andere Spieler gegen Geld durch den Content, den sie vermutlich sonst nie sehen würden. Klar verkauften auch wir Gear und Erfolge gegen Geld, aber als eine Topgilde kann man sich das auch erlauben. Wir haben unser Können ja bereits oft genug bewiesen. Aber wenn man zu der Sorte Spieler gehörte, die alleine nichts gebacken bekamen, mit ihrem Charakter nicht einmal 2m gerade aus laufen konnten ohne zu sterben, wo es völlig an Verständnis fehlte, dann sollte man nicht auch noch die Unverschämtheit besitzen sich bei einer High End Top Gilde zu bewerben und den Leuten die Zeit stehlen.

Selbstverständlich war an dem Tag die Situation ein wenig eine andere gewesen. Immerhin hatte der Kerl nicht die Frechheit besessen sich bei ihnen zu bewerben, aber er war der Maintank der Cyas und somit hatte er einfach verloren. Er konnte einfach nur verlieren. Josh war ja überzeugt davon, dass die Cyas im Content nur so weit gekommen waren, wobei weit ein relativer Begriff war, weil sie eine gute Heilerin hatten. Eine, die ihre Klasse verstand und die sich mit ihrem Gear auseinandersetzte und somit eindeutig in der Lage war, zumindest eine Weile lang die Unfähigkeit ihrer Mitspieler zu kompensieren. Sie könnte eigentlich viel weiter oben mitspielen. Bei Gilden, die wirklich was auf dem Kasten hatten und in Joshs Augen reizte sie ihre Fähigkeiten nicht einmal annähernd aus. Es musste doch eigentlich frustrierend sein, wenn man die ganze Zeit durch seine Mitspieler im Vorankommen ausgebremst wurde. Andererseits könnte das auch eine Erklärung dafür sein, dass sie manchmal so verklemmt wirkte. Fast so, als würde ihr das Leben keinen Spaß machen, dabei gab es so viel, womit man unheimlich viel Spaß haben konnte. Ein bisschen Spaß musste sich jeder hin und wieder einmal gönnen. Tat er ja auch.

Mit einem gut gelaunten Grinsen auf den Lippen und einem Becher viel zu süßem Kaffee in der Hand – er würde das ja niemals runter bekommen – betrat er den Firmenkomplex und fuhr ausnahmsweise einmal mit dem Fahrstuhl bis hoch in seine Abteilung. Wie jeden Tag, war er auch heute in T-Shirt und Kilt gekleidet. Es war eben das bequemste was es in seinem Schrank zu finden gab, wenn auch sich dort der eine oder andere Anzug finden ließ. Es war ja nicht so, dass er über keinerlei Geschmack verfügte. Es gab gewisse Veranstaltungen, da wäre es kontraproduktiv würde er in seiner gewohnten Kleidung auftauchen. Doch hier an seinem Arbeitsplatz brauchte er die Freiheit. Alles andere würde ihn nur einschränken und ganz besonders in seiner Kreativität. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass er eine geschlagene halbe Stunde späte als gewöhnlich zur Arbeit gekommen war. Etwas, das zwar selten vorkam, aber durchaus vorkam. Aber er konnte es sich leisten und außerdem gab es zur Zeit niemand, der ihm dafür einen Vortrag hätte halten können, denn aktuell war er derjenige, der in dieser Abteilung an der Spitze saß. Aber wenn er Zeit finden sollte, dann würde er sich selbst dazu ermahnen in Zukunft pünktlich zu sein.

Mit der freien Hand klopfte Josh einmal an die Türe, hinter welcher Caias Schreibtisch stand, ehe er diese ohne auf einen Hinweis zu warten öffnete und direkt auf ihren Schreibtisch zuging. Mit einem freundlichen Lächeln stellte er den Becher direkt vor ihr auf den Tisch. „Einen wunderschönen Guten Morgen“, meinte er zu ihr und deutete dann auf den Kaffee. „Sollte genau deinen Geschmack treffen.“ Ohne auf eine Reaktion von ihr zu warten, drehte er sich wieder herum, verließ dieses Büro um sein eigenes zu betreten. Nachdem er die Türe aufgeschlossen hatte, warf er die schwarze Lederjacke über die halb geöffnete Türe des Aktenschranks und setzte sich dann auf den rot-schwarzen Stuhl hinter seinem Schreibtisch. „Sternzeit 7–4–5–6–2. Captain Henderson. Computer bereit machen für Warpgeschwindigkeit“, sprach Josh mit ruhiger und deutlicher Stimme und die drei Computer um ihn herum erwachten zum Leben. Ein Blinken auf dem Monitor zeigte ihm, dass wohl so einige Memos ihren Weg auf seinen Computer gefunden hatten und leider auch, dass er sich ihnen alle widmen musste, ehe er seiner eigentlichen Arbeit nachgehen konnte. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, legte die Füße auf seinen Schreibtisch und mit einer einzigen Handgeste öffneten sich alle Memos, die neu auf seinem System eingetrudelt waren vor seinen Augen in der Luft. Er wollte gerade das erste Memo öffnen, als sein Blick auf den Absender fiel und mit einer weiteren Handbewegung flog das Memo aus seinem Sichtfeld. Er würde sich dem Memo später widmen. Nach und nach flogen weitere Memos, mal nach rechts oder links, aus seinem Sichtfeld bis bald nur noch ein Memo übrig blieb. Eines, was ihn im ersten Moment die Augen verdrehen ließ, so sagte doch der Inhalt aus, dass er noch ein paar Wochen länger die Leitung hier haben würde, da der eigentliche Chef der Abteilung noch ein Weilchen länger im Krankenstand sein würde. Es hatte seine Vorteile dass er nicht da war, aber auch seine Nachteile, denn so blieb ihm durch den ganzen Abteilungskram deutlicher weniger Zeit für sein eigenes Aufgabengebiet übrig. Josh wollte das Memo gerade ebenfalls aus seinem Sichtfeld bewegen, als sein Blick auf den Link fiel, mit dem das Memo verbunden war. Er tippte mit dem Finger auf den Link und es öffnete sich eine weitere Nachricht. Eine, die sein Grinsen auf dem Gesicht, welches einfach nicht verschwinden wollte, noch breiter werden ließ. Eigentlich war das, was in dieser Nachricht stand nicht unbedingt das, was man zu einem solchen Zeitpunkt, wie dem, in dem sie sich gerade befanden, lesen wollte, aber wenn er es richtig anstellte, konnte ließ es sich bestimmt gut mit dem was sie gerade eh schon taten verbinden. Und abgesehen davon, musste er sich ja nicht alleine darum kümmern. Hier gab es genug Leute, denen ein bisschen Feuer unterm Arsch gut tun würde.

Josh schloss seine ausgestreckte Hand zu einer Faust und der virtuelle Bildschirm zog sich zu einem einzigen Punkt zusammen. Für einen Moment verharrte er so, ehe er blitzschnell seine Finger öffnete und der Punkt sich in einer Sternenexplosion auflöste und verschwand. „Archiv 1 – 9 – 8 – 0 öffnen. Titel 7–4 wählen. Auf alle Kanäle“, gab Josh Anweisungen an den Computer und kurz darauf erschallten auch schon die ersten Akkorde überall in der Abteilung. Es war eben seine ganz persönliche Art und Weise seine Kollegen zu einem Meeting zusammen zu rufen.

Autor:  Caia Winter [ Mi 17. Aug 2016, 23:24 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Chapter 2 - Let the party started

Die gesamte letzte Woche hatte Caia jeden Tag darauf gewartet, dass man sie feuern würde. Bei jeder Bewegung an ihrer Tür war sie zusammen gezuckt. Immer wenn ein Kollege sie von hinten angesprochen hatte, war sie zusammen gefahren. Bei jedem Memo, dass nur irgendwo aus HR oder der Chefetage war, war sie bleich wie eine Leiche geworden. Doch es war nichts passiert.
Der Bagel-Vorfall lag nun schon eine Woche zurück und es war nichts passiert. Sicherlich war sie immer noch auf der Hut und achtete penibel darauf nicht eine Deadline zu verpassen. Aber langsam entspannte sie sich wieder an ihrem Schreibtisch. Sie hatte an diesem Morgen auch das erste Mal etwas persönliches von zu Hause mitgebracht und auf ihren Schreibtisch gestellt. Es war nicht viel, aber es gab ihr eine seltsame Sicherheit. Das Gefühl, dass sie vielleicht doch hier einen Platz gefunden hatte - in dieser Welt. Auch wenn sie wie üblich über ihre eigene Füße und vor allem ihre Zunge stolperte. Meistens sagte sie nichts und wenn dann zu viel oder zu schnell oder es war komisch. Wobei letzteres hier seltener war. Es gab wenig aus ihren Interessen, dass die Kollegen hier nicht verstanden. Websurfen, Internetcomics, Memes… sie war schon ein ziemlicher Geek und mehr und mehr davon schien durch zu sickern.

Heute hatte sich ein Teil von dieser tiefverwurzelten Geekiness in ihr auf ihren Schreibtisch geschlichen. Auf ihrem Schreibtisch stand eine First Edition Exterminate Online Figur. Es war eine limited Edition des ersten Tir 1 Pristersets aus dem aller ersten Raid. Natürlich an einer Ashana. Es war schon schwer genug eine solche Figur überhaupt zu ergattern und eigentlich hatte Caia sie damals nicht gewollt. Sondern eine Frostmage-Schattenalben gewollt. Aber die hatte sie nicht bekommen. Als sie sich dann dafür entschieden hatte mit der Queen zu brechen, war diese Figur der Auslöser gewesen, wieso sie jetzt eine Gilde hatte.
Es war schon seltsam wie die Dinge so spielten. Denn jetzt gerade war sie dabei ein neues Priesterset zu designen. Es ging darum für die neue Raidinstanz ein neues Tir-Set herauszubringen für jede Klasse. Caia war eigentlich nicht damit beauftrag. Aber sie hatte alle ihre Assignments von gestern durch und auch die ersten von diesem Morgen und wartete derzeit auf Neue. Als ‚Neue‘ bekam sie irgendwie derzeit nur die kleinen Sache wie für die und die Location müssen folgende Felsenkombinationen in das und das Farbschema angepasst werden, oder hier und dort müssen die und die Pflanzen eingefügt und arrangiert werden und so weiter. Es waren viel mehr Innendekorationen-Aufgaben als echtes Design. Einfügen von vorhandenen Grafiken in bereits bestehende Kulissen. Nicht, dass sie nicht gut darin war und sich Mühe gab, aber es forderte sie auch nicht. Solche Arrangements – wenn man das System verstanden hatte – brauchten keine 2 bis 3 Stunden. Zumindest brauchte sie dieser nicht – wieso die andere dafür solange brauchten, war ihr echt schleierhaft.

Nun ja, jedenfalls hockte sie an ihrem Schreibtisch, den Screen offen mit dem Posteingang und allen beantworteten Memos und eine Income-Alert laufend und wartete darauf, dass sie neue Assignments bekam. Man hatte ihr sehr deutlich gesagt, dass sie nicht nebenan klopfen und nachfragen sollte. Die anderen Designer fanden das anstrengend.
Somit jagte der Bleistift über das Stück Papier und zog Konturen und Muster hinter sich her. Geschwungene Linien, klare Absätze und ein weiches Kontrastschema. Muster, die sich anschmiegten, stilistisch passend, aber nicht eine Kopie von etwas bereits bestehenden. Sie hatte nicht vor es irgendwem zu zeigen. So wie die 5 anderen Designs, die sie bereits gezeichnet hatte. Es waren Skizzen und ihr ganz persönlicher Traum einmal eine Reihe an Tir-Sets zu designen, dann tatsächlich zu digitalisieren und irgendwann einmal im Spiel zu sehen. Dabei ging es ihr nicht einmal darum sie an ihrem Char zu sehen – sie wollte sie einfach nur sehen. Das reichte ihr sogar schon.

Als es an ihrer Tür klopfte, ruckte ihr Kopf hoch und sie wandte sich um. Aus dem leicht überraschten Gesichtsausdruck wurde ein deutlich überraschter Ausdruck als sie Josh erkannte. Im ersten Moment starrte sie ihn an und ihr Blick folgte seiner Bewegung als wäre er festgewachsen. Dann folgte ihr Blick dem Becher und sie betrachtete, wie er ihn abstellte. Dann ruckte ihr Blick wieder nach oben. „Ähh… Guten Morgen… und Danke…“ Ob das letzte eher eine Frage war, war nicht wirklich zu sagen. Man könnte es vielleicht so auslegen. Ihr Blick folgte ihm wieder aus dem Raum und starrte noch auf die Tür als sie sich schloss.
Ganz langsam wandte sie den Blick wieder zu dem Becher und betrachtete ihn wie ein stranges Marsmännchen. Vorsichtig drehte sie den Becher und betrachtete, ob er irgendwelche Kameras oder sowas hatte.
Ob er vergiftet war? Wollte er sie loswerden? Was für eine Frage! Natürlich! Hallo, er war er und sie war sie… und das passte einfach nicht zusammen. Und woher sollte er wissen, was ihr Geschmack war? Nachdem sie den Becher das dritte Mal gedreht hatte, öffnete sie vorsichtig den Deckel und schaute hinein. Dann roch sie daran. Wie roch Arsen? Oder Rattengift? Es sah aus wie Kaffee…
Schließlich hob sie den Becher und nippte einmal daran.

Das war der Moment in dem die Musik begann. Sie zuckte zusammen, verbrannte sich die Lippen, bekippte ein leeres Blatt auf ihrem Schreibtisch mit Kaffee und schaffte es gerade so sich selber nicht zu einzusauen, sondern nur ihre rechte Armlehne. Mit wild klopfenden Herzen stellte sie den Becher ab und wischte sich den heißen Kaffee von den Fingern. Dann von der Lehne und vom Schreibtisch. Dann nahm sie den Becher und ging zur Tür.
Vorsichtig spähte sie auf den Gang und beobachtete wie die ganzen Kollegen langsam aus ihren Büros kamen bewaffnet mit Tassen, Laptops und Foldern. Es war wie eine Zombie-Wanderung zu ziemlich alter Musik. Caia blinzelte irritiert.
War in dem Kaffee vielleicht ein Droge gewesen? Aber eigentlich hatte sie nichts geschluckt… oder hatte Josh alle anderen vergiftet und nur sie war noch bei klarem Verstand, weil sie noch nichts davon getrunken hatte?

„Hey, beautiful Redhead – steh da nicht so rum, ist Meeting time…“ Er zwinkerte ihr zu und schenkte ihr ein Lächeln. Sein Name war Ray. Er war Asiat und eigentlich recht niedlich. Caia schenkte ihm ein vorsichtiges Lächeln und nickte dann. „Danke für die Erklärung.“
„Nicht trödeln. Ich halte dir nen Platz frei.“, scherzte er und winkte ihr zu sich zu beeilen.
Eilig nickte sie und schnappte sich ihre Unterlagen und den Lappy sowie den Kaffee – mit Deckel drauf – und eilte Ray hinterher zum Meetingraum.
Irgendwie hatte sie ein echtes ungutes Gefühl. Er hatte ihr einen Platz freigehalten, so dass sie nicht ganz am Ende des Tisches saß in der hintersten Ecke saß…

Autor:  Josh Henderson [ Fr 19. Aug 2016, 02:02 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Chapter 2 - Let the party started

„Also ich wette ja 100 BC“, fing Steve an, kaum hatte er sich gegenüber von Rey und Caia auf seinen Platz niedergelassen in Richtung Matt, welcher sich direkt neben Caia gesetzt hatte. „Dass er letzte Nacht geilen Sex gehabt hat.“
„Steve“, erklang Matts Stimme ein wenig gequält. „Wieso denkst du eigentlich immer gleich in der Horizontalen? Kann es nicht auch mal einen anderen Grund haben?“
„Hallo? Hast du dir mal den Text angehört“, entgegnete Steve und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Aus welchem Grund sollte er sich denn sonst ausgerechnet einen Song mit einem solchen Text aussuchen, wenn nicht deswegen?“ Für Steve lag natürlich alles wie immer klar auf der Hand. Der Text des Songs war eindeutig und somit musste auch Joshs Stimmungslage eindeutig sein. Er würde, seiner Meinung nach, nie einen so deutlichen Song wählen, wenn es dafür keine Grundlage gab. Immerhin war Josh jemand, der Wert auf klare Verhältnisse legte.
„Woher soll ich das wissen?“, konterte Matt und zuckte mit den Schultern.
„Sei mal nicht so unkreativ“, lachte Steve und lehnte sich wieder nach vorne und richtete seinen Blick auf Caia. „Welche Vermutung hat denn unsere rothaarige Grafikfee? Immerhin bist du neu hier, somit noch unschuldig und daher frei von Vorurteilen.“ Steve lehnte sich im Stuhl wieder zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Gut, vielleicht war es ein wenig unfair sie da jetzt mit hinein zu ziehen, aber er war einfach verdammt neugierig darauf, welche Einschätzung sie in diesem Fall hatte. Außerdem hatte es den kleinen Nebeneffekt auf diese Weise in Erfahrung zu bringen, wie sie so tickte und wie sie so drauf war. So viel Kontakt hatte man ja dann doch auch wieder nicht mit den Jungs und Mädels aus der Grafikabteilung, auch wenn sie nur ein paar Bürotüren weiter saßen.

Josh saß noch für einen Moment länger in seinem Büro, ehe er sich aus seinem viel zu bequemen Stuhl erhob und sein Büro verließ. Er schloss die Türe hinter sich, genoss grinsend die Musik, während er ruhigen Schrittes auf den Meetingraum zuging. Es sollte immerhin jeder die Chance erhalten rechtzeitig vor ihm dort zu sein, denn nach ihm zu kommen, war immer schlecht. Aber ein Blick in den Raum zeigte ihm, dass schon alle versammelt auf ihren Plätzen saßen. Noch immer mit dem Grinsen, mit welchem er auch das Gebäude betreten hatte, auf den Lippen, ging er zu seinem Platz am Kopf des Tisches und legte die Hände auf die Rückenlehne des Stuhls.
„Ich habe ein paar gute, aber auch ein paar weniger gute und vielleicht auch ein paar schlechte Nachrichten“, sprach er in die Runde und zog langsam den Stuhl nach hinten. Er ließ sich hineinfallen, legte dann die Füße auf den Tisch, allerdings so, dass man ihm nicht unter den Kilt schauen konnte, außer natürlich jemand hatte es vorgezogen unter dem Tisch Platz zu nehmen. „Aber entscheiden könnt ihr wie immer selbst.“ Josh war bisher nie jemand gewesen, der in solchen Fällen seine Meinung anderen aufgedrängt hatte. Was für ihn eine schlechte Nachricht war, konnte für jemanden durchaus eine Gute sein. Tja und was für ihn gut war, konnte für jemand anderen den Weltuntergang bedeuten. Es war einfach kontraproduktiv hier gleich zu Anfang Fronten fest zu legen, die es nicht wert waren festgelegt zu werden.
„Die erste Nachricht ist – Ihr werdet es noch eine Weile mit mir als Boss aushalten müssen“, sprach er mit ruhiger Stimme und zuckte mit den Schultern. „Geht einfach mal von ungefähr 3 Monaten aus. Vielleicht kommt er ja auch schon früher zurück, vielleicht auch erst später. Mehr kann ich euch zu diesem Zeitpunkt auch nicht sagen.“ Entsprach sogar der Wahrheit, denn mehr wusste er wirklich nicht. In dem Memo an ihn hatte lediglich gestanden, dass sich der Krankenstand seines Bosses verlängert hätte und er weiterhin die Verantwortung für die Abteilung hatte. Es war nicht so, dass es Josh besonders viel Spaß machte die Verantwortung hier zu haben, denn dadurch blieb ihm nicht immer genug Zeit für seine eigene Arbeit übrig und außerdem hatte er kein besonders großes Interesse daran, ständig den Anderen hinterher arbeiten oder aufräumen zu müssen. Sie ständig an dieses oder jenes erinnern zu müssen. Allerdings war er zu einem Teil auch selbst schuld daran, denn letzten Endes war es zu dieser lockeren Atmosphäre erst durch sein Zutun gekommen. Aber er war einfach überzeugt davon, dass nur in einer lockeren Atmosphäre auch Kreativität entstehen konnte und von exakt dieser lebte das Game. Man konnte kein gutes Game entwickeln, wenn sich vorkam wie in einer Fabrik, wo man gezwungen war im Akkord zu arbeiten. Solange alles pünktlich fertig war, war das wie doch vollkommen egal. Zumindest war das seine Vorstellung und ihn hatte man ja immer machen lassen, aber ob das auch weiterhin für die Abteilung gelten würde, stand auf einem anderen Blatt geschrieben. Zumindest hoffte er, sie würden die Chance so lange erhalten, bis die Expansion fertig war.

„Wie ihr ja alle mehr oder weniger wisst, findet übernächsten Monat die Convention hier in Washington statt, bei der auch Thunderscale Vision vertreten sein wird“, machte Josh mit der nächsten Information weiter. „Die Firma will einerseits die nächste Expansion bewerben, aber sie finden es langweilig, wenn wir da einfach nur mit einem Stück davon auftauchen. Sie wollen zusätzlich etwas besonderes haben. Ihr kennt ihre Sonderwünsche ja.“ Vereinzelt konnte er ein leises Stöhnen vernehmen, denn die Sonderwünsche der Chefetage waren in dieser Abteilung nur zu sehr bekannt und jeder wusste sofort, dass es auch dieses Mal mit einem Berg Überstunden verbunden sein würde.
„Wie viele Stunden werden es dieses Mal sein?“, kam es von jemanden am Tisch.
„Das hängt von euch ab“, antwortete Josh und zuckte leicht mit den Schultern. „Ich kann nicht hellsehen, auch wenn ich jetzt schon weiß, welche Gilde die nächste Expansion ungeschlagen anführen wird.“
„Josh! Erzähl uns mal was Neues“, lachte Tom, zerknüllte ein Blatt Papier zu einer Kugel und warf sie in Joshs Richtung, dessen einzige Reaktion ein breites Grinsen war.
„Ok, Spaß beiseite und back to business“, meinte Josh, dessen Gesicht nun wieder einen etwas ernsteren Ausdruck annahm. „Was sie sich vorstellen ist eine Art von Dungeon, den man live vor Ort spielen kann als Challenge. Also irgendetwas mit steigendem Schwierigkeitsgrad und wer es am schnellsten bis zum Ende schafft bekommt einen Preis. Also was leichtes am Anfang und Alptraum am Ende. Und sie wollen, dass dieser Dungeon das Game von seinen Anfängen bis zum aktuellen Zeitpunkt repräsentiert. Also all time favorites ebenso wie most hated ever.“ Josh nahm seine Füße vom Tisch, setzte sich ordentlich in seinen Stuhl und legte die Unterarme auf dem Tisch ab. „Bosse ebenso wie Schlachtzüge.“ Sicherlich konnten sie in diesem Falle auf alles zurückgreifen, was die ganze Arbeit ein wenig aufwendiger werden ließ, da nichts komplett Neues programmiert werden musste. Dennoch musste die einzelnen Teile zu einem gesamten Werk zusammengefügt werden und das war schon aufwendig genug. Sollte ja wie eine Einheit aussehen und nicht wie ein Patchwork. „Wenn es gut ankommt, wollen sie es sogar fest ins Game implementieren. Nur damit ihr Bescheid wisst. Was ich jetzt also gerne von euch hätte, wären Vorschläge welche Räume drin vorkommen sollen, welche Bosse und wie groß das Ganze werden soll. Bedenkt halt bei der Größe den Fakt, dass es auf der Con spielbar sein soll und das ohne dass jemand den ganzen Tag drin verbringt, aber eben auch nicht so einfach, dass es jeder schafft.“
„Wenn sie das Game repräsentieren wollen, warum machen sie dann keine WF Challenge?“, fragte Steve und langte nach der Dose Coke auf dem Tisch vor sich.
„Weil die WF Challenge unser Hausding ist, im Herbst eh ansteht und weil der Aufwand und die Kosten den Rahmen sprengen würden“, antwortete Josh in Steves Richtung.
„Kosten und Aufwand ist ein Argument, aber du weißt doch selbst wie scharf die Leute immer auf die WF Challenge sind.“
„Sorry, aber etwas WF ähnliches ist für die Con nicht machbar und ich bin auch nicht traurig darüber“, meinte Josh mit einem Kopfschütteln und sah in Caias Richtung. „Zum Verständnis Caia – WF steht für World Five und damit ist gemeint, dass die 5 besten Gilden weltweit gegeneinander antreten und ist das große Event bei unser jährlich stattfindenden Hausveranstaltung.“
„Dann lassen wir halt nur eine Gilde antreten, die den Leuten zeigt was in dem Game so alles machbar ist“, schlug Matt vor. „Kosten bezüglich Anreise und Unterkunft gibt es ja keine und wir haben was, was die Leute an unseren Stand zieht.“
„Matt? Wenn du in die Marketingabteilung wechseln willst, dann ist das kein Problem“, meinte Josh und zog dabei leicht eine Augenbraue nach oben. „Was bringt es den Leuten live etwas zu zeigen, was sie eh schon von den Videos her kennen? Außerdem weißt du wie schnell es dann heißt 'die können das eh nur weil' – Ach reden wir nicht drüber.“ Josh winkte mit der Hand ab und es war deutlich erkennbar, dass er kein Interesse daran hatte weiter darüber zu reden. Er konnte sich noch gut an die ganzen Reaktionen erinnern, als öffentlich wurde, dass er der Leader der Anarchy Crusades war. An den ganzen Flamewar und Shitstorm. An die ganzen Vorwürfe, dass seine Gilde nur so weit gekommen war, weil er bei Thunderscale arbeitete und somit über Insiderinformationen verfügte. Es war für ihn eine verdammt beschissene Situation gewesen und hatte seinen Plan Job und Game strikt zu trennen gewaltig über den Haufen geworfen. Es hatte sogar innerhalb seiner Gilde zu einem bösen Zerwürfnis geführt, da die Ansichten, wie man bei einer derartigen Challenge vorzugehen hatte, gewaltig auseinander gegangen waren. Von seinem inneren Twist mal nicht weiter zu sprechen. Klar hatte Fawkes gewinnen wollen, denn verlieren würde ihm nie in den Sinn kommen. Für ihn gab es nur gewinnen, während Josh kein Interesse daran gehabt hatte zu gewinnen und sich noch weiter den Bullshit der Leute anzuhören. Er hatte keine Lust gehabt, dass die Gilde unter dem Shitstorm litt und man seinen Leuten jeglichen Skill absprach, nur weil er bei Thunderscale arbeitete. Es wäre einfach nicht fair gewesen. Aber auch eine Nicht-Teilnahme seiner Wenigkeit hätte daran nichts geändert. Vermutlich hätte nicht einmal das Verlassen der Gilde daran etwas geändert. Der Shitstorm hatte sich zwar nach und nach gelegt, aber bei jeder WF Challenge wurden doch immer wieder ein paar Stimmen laut, auch wenn sie jedes Jahr aufs Neue irgendeinen dummen Fehler begingen um auch ja nicht zu gewinnen. Wofür er von seinem Team erst einmal wochenlang mit Schweigen bestraft wurde.

„Das ist Bullshit Josh und das weißt du“, seufzte Matt und sah an Rey vorbei zu Caia. „Caia, du musst wissen, für Josh ist das jedes Jahr die schlimmste Zeit des Jahres. Ich weiß ja nicht wie gut du dich mit dem Game auskennst oder besser gesagt mit den Serverstats und von ihm wirst du hier auch nie etwas darüber hören, aber der hat den ersten Platz gepachtet und-“
„Matt es reicht“, fiel Josh ihm mit ernster Stimme ins Wort. „Das ist jetzt nicht das Thema das Meetings. Investiere deine Zeit lieber in das, was die Chefetage will.“
„Sie will die Leute auf das Game aufmerksam machen, will ihnen etwas besonders geben, dann sollen sie gottverdammt die beste Gilde in Nordamerika auf die Bühne holen. Soll sie in einen Dungeon jagen, den sie noch nie zuvor gesehen haben, mit Bossen die voller Überraschungen stecken und wo niemand sagen kann 'die wussten das alles vorher schon', weil es kein vorher gab.“
„Matt, ich sagte gerade es reicht.“ Josh hatte sich aus seinem Stuhl erhoben und stand nun, die Hände auf der Tischplatte abgestützt am Kopf des langen Tisches. „Ich will kein Wort mehr davon hören. Wenn dir nicht passt, was die Chefabteilung will, dann setz dich mit ihnen in Verbindung, aber hör auf mich in den Shit reinzuziehen und damit ist das Meeting jetzt auch beendet. Ihr wisst was ihr zu tun habt und bis spätestens heute Abend um Fünf will ich die ersten Vorschläge auf meinem Tisch liegen sehen.“ Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren verließ Josh den Raum und kehrte zurück in sein Büro, wobei seine Türe etwas heftiger zurück ins Schloss fiel, so dass man es im Meetingraum noch hören konnte.
„Gut gemacht“, raunte Steve Matt äußert ironisch zu und schüttelte langsam den Kopf hin und her.

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